Dienstag, 31. Juli 2007

Vogel mit Helm


Mission Beach. Die Missionsstation für Aborigines gibt es nicht mehr, aber für uns Urlauber ist das auch nebensächlich. Wir freuen uns über lange Sandstrände, ausgiebigen Sonnenschein und entspanntes Ambiente. Viel anderes gibt es hier auch heute noch nicht. Einige Unterkünfte, einen kleinen Shop und Cafés. Eine aufregende Begegnung kann man aber mit etwas Glück dann doch machen und auf einen der ungewöhnlichsten Bewohner des Australischen Kontinents treffen: den Helmkasuar. In der Touristeninformation bombardieren zwei Touristen die Angestellte mit Fragen: "Wo können wir einen Kasuar sehen? Wann ist die günstigste Zeit? Wie stehen die Chancen? Ist es so gefährlich wie man oft hört?". Sie werden mit entsprechender Information versorgt und ziehen schnell von dannen. "Immer die gleichen Fragen", schüttelt Alice den Kopf. Seit sechs Monaten arbeite sie nun hier und alle wollen das kuriose Federvieh sehen. "Ich kann Tips geben", erklärt sie, "aber letztendlich gehört eine Portion Glück dazu, denn die Viecher sind ziemlich scheu." Und wie man auf dem Foto sieht, war mir das Glück hold. Und weil die 170cm großen Vögel tatsächlich gefährlich sind, bin ich froh von einem sicheren Steg aus zu fotografieren.

Samstag, 28. Juli 2007

Magnetische Insel


Ich hätte mir rechzeitig ein Auto reservieren sollen. „Alles gebucht“, so die kurze Antwort bei allen Vermietern auf Magnetic Island. Also bleibt nur die Option einen Motorroller zu mieten. Und das kann ja auch ganz lustig sein, ich erinnere mich noch gut an meine frühen Teenagerjahre, als ich mit einem Freund gelegentlich das Moped seines Vaters „geliehen“ habe. Aber dazwischen liegen nicht nur 20 Jahre, sondern auch 40kg und mein 50er Mietroller kann mit der alten Zündapp auch nicht mithalten. Die Berge auf Magnetic Island tun ihr übriges und die Tachonadel fällt teilweise unter die 10km/h Marke. Dafür wird es mir bergab etwas zu schnell, denn weil mein fahrbarer Untersatz meine 100kg Lebendgewicht nicht richtig beschleunigen kann, zweifle ich auch daran, dass er mich zuverlässig abbremsen kann. Aber mit etwas Vorsicht bin ich dann doch ganz gut unterwegs. Und ich stelle mit Freude fest, dass zumindest keine Gefahr durch Tropenstürme besteht. Magnetisch im wissenschaftlichen Sinn ist die Insel natürlich nicht, aber der Name passt trotzdem, denn so schön wie es hier ist, zieht die Insel die Besucher geradezu an.

Freitag, 27. Juli 2007

Hola, qué tal?


Wieder an der Küste, wieder auf dem Backpacker-Trail. Townsville ist eine tolle Stadt, optisch ein echter Hingucker mit Palmenstrand und historischen Gebäuden, außerdem mit legendärem Nachtleben. Der östliche Teil der Flinders Street ist mit Bars und Pubs gespickt, entsprechend wild geht es dort zu und nach den langen, ruhigen Nächten im Outback stürze ich mich mit Freude ins Geschehen. Ich starte mit einem Trupp Dänen in der Brewery, ziehe mit zwei deutschen Sirenen weiter ins Bombay Rock, wo ich wieder einmal feststelle, wie klein die Welt doch eigentlich ist. "Hola, qué tal?", begrüßt mich die dunkeläugige Schönheit und ich glaube meinen Augen nicht zu trauen. Vor mir steht Anna, eine Freundin aus meiner Studienzeit in Barcelona. Sie hat dort in meiner Lieblingskneipe gearbeitet und mir so manchen Absacker serviert. Sie ist mit ihrer Schwester auf Weltreise und für einige Monate in Australien. Also packe ich mein etwas eingerostetes Spanisch aus und verlebe einen der lustigsten Abende, seit Beginn meiner Reise.

Dienstag, 24. Juli 2007

Känguru flieg!


Mitten im Outback Queenslands gibt es dann wieder einiges zu sehen. Die Stockman's Hall of Fame beschäftigt sich in fünf separaten Expositionen mit der Erschließung, Besiedlung und dem Leben im Outback. Und wie der Name schon sagt, wird natürlich auch ein Augenmerk auf die Rolle der Viehzüchter für die wirtschaftliche Entwicklung geworfen. Außerdem befindet sich hier in Longreach das Qantas Museum. Ich traue fast nicht, es hier zu zugeben, aber bislang wusste ich nicht, wofür das Kürzel QANTAS eigentlich steht. Für alle, die es auch nicht wissen: es ist der Queensland And Northern Territory Air Service. Leider hat irgendein Cowboy seine verdreckte Schleuder direkt vor den Turbinen des dort ausgestellten Jumbo-Jets geparkt und ich warte vergeblich, ein gutes Bild schießen zu können. Ganz up to date ist der sowieso nicht mehr, das berühmte Känguru Logo der Fluglinie wurde erst kürzlich etwas aufgepeppt. Aber das Bild der Hall of Fame fängt den Outback-Spirit sowieso besser ein.

Sonntag, 22. Juli 2007

Edle Steine


Es geht wieder ins Landsinnere. Der Capricorn Highway, so benannt, weil dem Wendekreis des Steinbocks folgt, führt von Rockhampton nach Longreach, tief ins Outback von Queensland. Meine erste Station ist die Siedlung Sapphire. Und was wird man dort wohl finden? Richtig, Saphire. Die Edelsteine haben auch hier viele Glücksritter angezogen und zahlreiche Touristen versuchen ihr Glück in einer Stunde Aufenthalt. „Wie angeln, nur anstrengender“, kommentiert Debbie genervt und Marge flüstert mir erklärend zu „sie findet angeln total langweilig!“ Trotzdem durchwühlen beide weiter ihren Kübel mit Steinen und Dreck, denn auch wenn die Suche langweilig ist, etwas finden will dann doch jeder. Und die ausgeschnittenen Zeitungsartikel im Shop beweisen, dass es auch geht. Eine Touristin ist gerade vor einem Jahr über einen 100.000$ Stein gestolpert, auf einem 10minütigem Spatziergang am Straßenrand. Und so suchen alle fleißig weiter. Im Notfall kann man es dann ja auch machen wie beim Angeln: Den Stein (Fisch) im Laden kaufen und behaupten, man hätte ihn selbst gefunden (gefangen).

Freitag, 20. Juli 2007

Es lebe das Rindvieh!


Es ist nicht zu übersehen, hier geht es im großen Stil um das Rind. Die erste Figur eines Bullen thront im Kreisverkehr am Ortseingang und im ganzen Ort sind etliche dieser Abbildungen aufgestellt. Kein Wunder also, dass hier Steak ganz oben auf der Speisekarte steht. Vegetarier dürften hier nur mitleidige Blicke ernten. Aber nicht nur für den Gaumen, auch für die Augen hat die Stadt am Fitzroy River einiges zu bieten. In der Touristeninformation besorge ich mir eine Broschüre für den City-Walk, der an den zahlreichen historischen Gebäuden vorbei führt und ausführlich die Geschichte der Häuser und der Stadt erzählt. Schnell ist der Tag vorbei und ich belohne mich für die marschierten Kilometer mit einem kühlen Bier und ... natürlich mit einem saftigen Steak.

Dienstag, 17. Juli 2007

Ente, aber kein 2CV


Das Town of 1770 ist der erste Ort auf meiner Reise nach Norden, von dem aus man das Great Barrier Reef ansteuern kann. Die südlichsten Ausläufer des größten Riffs der Welt sind zwar hier noch weit auf See, aber Lady Musgrave und Lady Elliott Islands sind einen Tagestrip wert. Tauchschulen schippern fast täglich begierige Schüler hinaus um den ungeheueren Fischreichtum und die bunte Korallenwelt zu bestaunen, aber auch zum Schnorcheln lohnt sich die Investition. Da die Inseln nicht von einem äußeren Riffgürtel geschützt sind, kann die Reise etwas stürmisch werden. Ein spaßiger Zeitvertreib sind auch die Fahrten in den Army-Ducks. Ausgemusterte Amphibienfahrzeuge des Militärs haben einen farbenfrohen Anstrich bekommen und für einige Dollar kann man sich zum Sonnenuntergang über die Sandbänke und Kanäle der Flussmündung chauffieren lassen.

Sonntag, 15. Juli 2007

Bundy in der Blutbahn


Bundaberg ist vor allem für eines bekannt: Rum. „Bundy-Rum“ gibt es in Australischen Kneipen in verschiedensten Versionen, der Klassiker, Bundy-Cola, kommt sogar aus dem Zapfhahn. Und wer daheim kein Fass unterbringen kann, der kauft die Mischung in mundgerechten 0.33er Dosen. Der Erfolg ist sicherlich auch dem erstklassigen Marketing zu verdanken. Das Maskottchen und Aushängeschild ist ein lebensgroßer Plüscheisbär, der in den Werbespots nicht nur gerne Bundy-Rum trinkt, sondern auch sprechen kann und mehr Frauen schwach macht als James Bond. Ob das auch im wirklichen Leben funktioniert, weiß ich nicht. Haare auf der Brust hätte ich auch. Die in der Brennerei ausgestellte Version des Bären wurde von begeisterten Fans fast tot gekuschelt und steht deshalb mittlerweile hinter Glas. Macht aber nichts, im Shop kann man von der Unterhose bis zum Winteranorak entsprechende Merchandiseartikel kaufen.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Die Jagd geht weiter ...



...allerdings nur mit der Kamera. Besonders erfolgreich bin ich nicht, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Walsaison erst noch bevor steht, bin ich froh, überhaupt einige Exemplare der Meeressäuger zu sehen. Der Skipper unseres Katamarans hat es heute wirklich nicht leicht, die einen beschweren sich, dass er das Schiff nicht ideal stellt um Fotos zu schießen, die anderen übergeben sich seit Stunden und betteln förmlich um die stabilste Lage. Es ist wirklich ein unruhiger Tag und ich bin dankbar, dass ich ziemlich seefest bin. Also genieße ich die sonnigen Stunden mit einigen kühlen Bieren und versuche, gute Bilder zu schießen. Was sich einmal mehr als extrem schwierig erweist. 104$ habe ich für die Halbtagesfahrt bezahlt, aber wenn man die majestätischen Wale vorüberziehen sieht, ist das schon beeindruckend und jeden Cent wert. Einige der Teilnehmer sehen das sicher anders. Wer will schon über 100$ bezahlen, nur damit einem schlecht wird, das kann man in der Kneipe angenehmer haben. Die Wale jedenfalls fühlen sich in der Bucht von Hervey Bay pudelwohl, so wohl, dass sie im August so zahlreich hier sind, dass die Veranstalter eine Sichtungsgarantie geben. Die neugierigen Meeresbewohner kommen dann zum Teil bis auf wenige Meter an die Schiffe heran und begutachten ihrerseits die staunenden Menschenmassen.

Dienstag, 10. Juli 2007

Noosa Surprise


Noosa ist auch einer dieser Orte, bei dem man kaum etwas falsch machen kann. Im kleinen Nationalpark gibt es schattige Spatzierwege, der Strand lädt geradezu zum Sonnenbaden ein und am Flussdelta kann man hervorragend fischen. Letzteres wissen auch die Pelikane und warten geduldig auf die Überreste, die ihnen von den Anglern zugeworfen werden. Lustig ist es auch auf dem Campingplatz. Backpacker, die ihre Reise in Brisbane begonnen haben, packen hier oft erstmals ihre Campingutensilien aus. Und sind oft gewaltig überrascht, was im Kofferraum des günstig erstandenen Autos so alles zum Vorschein kommt. Die beiden Engländer nebenan fluchen jedenfalls ganz gewaltig, als sie feststellen, dass sich der Vorbesitzer ihres Zeltes ganz offensichtlich darin übergeben hatte. Anstatt die Spuren zu beseitigen, hatte er das Zelt einfach abgebaut, luftdicht in einen Müllsack geknotet und dann in die Packtasche gesteckt.

Sonntag, 8. Juli 2007

Busy in Brissie


Nach dem entspannten Inselrefugium geht es wieder in die große Stadt. Und damit man auch hier der Australier (und Urlauber) liebstes Tier nicht missen muss, hat ein mitfühlender Künstler einige Eisen-Kängurus aufgestellt. Eigentlich bin ich nicht unbedingt ein großer Freund der Großstadt, aber nach etlichen Wochen in ländlichen und bisweilen sehr abgelegenen Gegenden freue ich mich auch wieder auf etwas Trubel. Natürlich gibt es hier auch viel zu sehen, entdecken und letztendlich auch zu recherchieren. Also miete ich mich direkt im Stadtzentrum ein und starte meinen Aufenthalt mit einem Spatziergang entlang der SouthBank, dem südlichen Flussufer. Dort findet heute ein Treffen der BMW Freunde statt, wobei überraschender Weise fast ausschließlich Fahrzeuge der 6er Reihe ausgestellt sind. Aber als waschechter Bayer freue ich mich natürlich über die Begeisterung, die unsere weiß-blauen Flitzer auch hier hervorrufen.

Freitag, 6. Juli 2007

On Island-Time


Tom sitzt vor seinem Wohnwagen, die vollen Bierdosen links von sich in der Kühlbox, die leeren Dosen rechts auf dem Boden. „Du bist jetzt auf Straddie-Zeit“, grinst er und zerknüllt eine leere Dose. Ich verstehe was er meint. Ich bin auf North Stradbroke Island, zu Besuch bei meinem Freund Hendo, der hier ein Ferienhaus besitzt. „Die Uhren auf der Insel ticken anders“, hat er mir gleich am ersten Tag erklärt. Und ich wundere mich mittlerweile über nichts mehr. Ich habe bereits „Big Phil“ getroffen, einen 220kg-Mann, mit dem lautesten Lachen in ganz Australien. „Bandit“ verdankt seinen Spitznamen der Tatsache, dass ihm der rechte Arm fehlt. Als er mir beim ersten Treffen die Linke zum Gruß entgegen streckte, wusste ich nicht, ob ich jetzt auch die linke, oder doch die rechte Hand reiche. Lenny ist ehemaliger Jockey, ganze 148cm groß und laut eigener Aussage „der beste Kerl, den ich jemals treffen werde“. Alle auf Straddie-Zeit. Heute holen wir Tom ab, um am Strand nach Pippies zu graben. Die eignen sich hervorragend als Köder zum Angeln und schmecken auch direkt vom Grill. Aber heute ist der Hunger größer als die Geduld, wir kaufen unseren „Fang“ im Laden und ich verputze unseren Anteil der Pippies als Vorspeise.

Dienstag, 3. Juli 2007

Surfers Paradise ...


... oder vielleicht eher Immobilienmaklers Paradise? Wenn man von Byron Bay aus anfährt fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Zuerst taucht diese enorme Skyline vor einem auf und vor Ort treffe ich auf zwei Blondinen in goldfarbenen Bikinis, die ihre durchaus ansehnliche Skyline für Fotos mit Touristen zu recht rücken. „Surfers ist Vegas“, hört man oft. Etwas übertrieben, wenn man mich fragt, aber es lässt sich auch nicht abstreiten, dass hier Unterhaltung, Glitzerwelt und Rekorde eine wichtige Rolle spielen. Hier gibt es Seaworld, das höchste Wohngebäude der Welt und ein "solides" Aufkommen an professionellen Damen, wie mir im Irish Pub versichert wird. Was jetzt allerdings genau dafür verantwortlich ist, dass so viele Leute hier her ziehen wollen, ist mir nicht bekannt. Das Interesse an den Immobilien ist jedenfalls groß, wie man unschwer an den zahlreichen Maklerbüros erkennen kann. Und wo sonst kann man schon vom neuen Appartment im 40. Stock mit dem Lift direkt an den Strand fahren?