
Der Angestellte in der Touristeninformation ist Aboriginal. Ich habe nur das Offensichtliche ausgesprochen, aber meine scherzhafte Bemerkung, dass er sicherlich keine keltischen Wurzeln habe, wurde nur mit einem bösen Blick kommentiert. Ich bin doch etwas beschämt und nehme erst einmal den ganzen Krimskrams, den es hier zu kaufen gibt, unter die Lupe. An alle, die mir jetzt fehlendes Feingefühl vorwerfen, sei gesagt, dass der gute Mann aber auch wirklich gar nicht in die dortige Umgebung aus Schottenkaros und Fidelmusik gepasst hat. Ich bin in Glen Innes, dem „Celtic Town“, zurück auf dem New England Plateau. Es gibt sogar einen eigens angelegten Steinkreis und in dem kleinen Café daneben hängen Bilder von Männern in prunkvollen Uniformen und Kilts. Dazu auch hier Musik, die man zwangsläufig mit den nebligen Highlands der Britischen Inseln in Verbindung bringt. Wie so oft in Australien haben sich die Einwanderer ein Stück Heimat fern der Heimat geschaffen. Vor einigen Jahren habe ich gar einmal gelesen, dass Tradition und Sprache am ehesten in diesen Refugien erhalten bleiben, weil man sie hier noch intensiv pflegt, während sie in den Ursprungsländern immer mehr durch äußere Einflüsse überholt und vergessen werden. Was übrigens auch für unsere Muttersprache gilt. Unterhalten Sie sich mit einem Auswanderer, der Deutschland in den 50ern den Rücken kehrte und Sie hören, was ich meine.
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