Samstag, 30. Juni 2007

Beautiful Byron Bay


Byron ist Kult und quer durch alle Schichten, Altersgruppen und Geldbeutel besuchen alle den kleinen Küstenort. Die jungen Backpacker, weil Byron einfach "cool" ist, der Rest, weil es in Byron "beautiful" ist. Letztendlich ist man sich also einig. Auch hier regiert eine etwas alternative Kultur, aber die Alternativen hier haben schon lange bemerkt, dass es sich mit etwas Geld in der Tasche auch als Alternativer besser lebt. Also findet man schöne Restaurants, gehobene Unterkünfte und die Aussteiger von einst haben ihre Lebensweise lukrativ an den Touristen gebracht. Und so gefällt mir das, sehr entspannt und angenehm für Leute von 16 bis 60 (und alle drum herum). Ein Highlight ist sicherlich die kurze Wanderung zum östlichsten Punkt des Australischen Festlandes, wo ich mich einer Truppe kreischender Damen anschliesse, um einige Buckelwale zu bestaunen, die gerade auf ihrer Wanderschaft gen Norden ziehen. Auf dem Rueckweg treffe ich auf Maggie aus Neuseeland. Seit Jahren komme sie regelmaessig hier her. Zum gemeinsamen Abendessen geht es dann in eine gemütliche Tapas-Bar und anschließend ins Beach-Hotel. Und bevor sie hier Falsches von mir denken: in Australien ist "Hotel" auch eine Bezeichnung fuer Kneipe oder Bar.

Dienstag, 26. Juni 2007

Lost in Nimbin


Einen kleinen Eintrag zum Thema „skurrile Gestalten“ habe ich ja bereits vor einigen Wochen gemacht, aber hier könnte ich direkt anknüpfen. Das kleine Bergdorf Nimbin ist in erster Linie für eines bekannt: Dope. Hier trifft man auf den einen oder anderen „Hängengebliebenen“ und ich meine das nicht nur was die Lokalität betrifft. Der Ort steht seit Jahrzehnten für alternatives Leben und entsprechend hoch ist die Dichte von Dreadlocks, Batikhemden und Stoffumhängetaschen. Selbst die Polizei scheint mit zu spielen und eine sehr entspannte Drogenpolitik lockt vor allem junge Backpacker an. Mitten auf der Hauptstrasse riecht es nach Marihuana und man sieht etliche Spatziergänger, die gemütlich mit einem Joint oder einem Pfeifchen im Mundwinkel an den bunt bemalten Geschäftsfassaden vorbei schlendern. Eigentlich eine entspannte Szenerie, bis ein ziemlich gammliger und stinkender Mittvierziger direkt vor mir aus den Büschen springt, mich mit verwirrtem Blick anstarrt und einen Singsang über Teilen und gemeinsame finanzielle Mittel anstimmt. Er will Geld, ich gebe nichts, worauf er mir noch etliches unverständliches Zeugs hinterher schreit. Ich limitiere meinen Aufenthalt auf das Nötigste und bin nach gut zwei Stunden wieder auf Achse. Freunde der alternativen Kultur können dem Ort vielleicht etwas mehr abgewinnen und ich habe genügend Leute getroffen, die Nimbin als „super-cool“ preisen. Ich persönlich bin froh, wieder weg zu sein.

Sonntag, 24. Juni 2007

Wo ist der Fehler?


Alte Autos sieht man viele in Australien. Meist macht man sich nicht die Mühe sie auf einen Schrottplatz zu bringen, sondern lässt sie einfach stehen um dann vielleicht noch Ersatzteile auszubauen. Manchmal werden die ausgedienten Gefährte aber auch umfunktioniert und verbringen den Rest ihrer Tage als Zielscheibe für besoffene Feierabendschützen (ein Schicksal, das sie mit vielen Straßenschildern teilen), als Kunstwerk oder, wie hier, als eine Art Blumentopf. Einst sicherlich der Stolz ihrer Besitzer, sind die Kandidaten auf dem Bild dekorativ neben der Strasse aufgestellt und mehr oder weniger gelungen in die Natur eingebettet. Auf der Ladefläche der türkisfarbenen Ute prunkt ein roter Busch, aus dem Dach des roten PKW wächst ein Baum. Mir gefällt es, für meinen fahrbaren Untersatz wäre ein derartiger Schritt aber definitiv noch zu früh.

Freitag, 22. Juni 2007

Betonmischer, Bohrer, Bier


Es ist wirklich eine verdammt lange Fahrt, nach Lightning Ridge. Man merkt, dass man in einsamen Gegenden ankommt, wenn einen entgegenkommende Fahrer unbekannter Weise grüßen. „Was willst Du denn da?“, fragt mich ein Lastwagenfahrer am Roadhouse. Und so genau weiß ich das selber nicht – abgesehen davon, dass ich den Ort für meinen Reiseführer unter die Lupe nehmen will. Nur so viel ist mir bekannt: die berühmten und äußerst kostbaren schwarzen Opale findet man dort, der Löwenanteil der weltweiten Förderung kommt aus Lightning Ridge. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man hier auf das trifft, was in Australien gemeinhin als „Aussie Battler“ bezeichnet wird, den Kämpfer und Glücksritter, den auch die schwierigsten Bedingungen nicht abschrecken können und bei dem es am Schluss doch nur mit Mühe zum Leben reicht. Reich werden hier die Wenigsten, der Großteil investiert die geringen Einkünfte um sich abends im Pub den Staub aus den Zähnen zu spülen. Und wer will, der kann auch selbst sein Glück versuchen und für einige Dollar einen Eimer Material zum durchsuchen erstehen. Das spare ich mir allerdings.

Dienstag, 19. Juni 2007

Die Kelten kommen


Der Angestellte in der Touristeninformation ist Aboriginal. Ich habe nur das Offensichtliche ausgesprochen, aber meine scherzhafte Bemerkung, dass er sicherlich keine keltischen Wurzeln habe, wurde nur mit einem bösen Blick kommentiert. Ich bin doch etwas beschämt und nehme erst einmal den ganzen Krimskrams, den es hier zu kaufen gibt, unter die Lupe. An alle, die mir jetzt fehlendes Feingefühl vorwerfen, sei gesagt, dass der gute Mann aber auch wirklich gar nicht in die dortige Umgebung aus Schottenkaros und Fidelmusik gepasst hat. Ich bin in Glen Innes, dem „Celtic Town“, zurück auf dem New England Plateau. Es gibt sogar einen eigens angelegten Steinkreis und in dem kleinen Café daneben hängen Bilder von Männern in prunkvollen Uniformen und Kilts. Dazu auch hier Musik, die man zwangsläufig mit den nebligen Highlands der Britischen Inseln in Verbindung bringt. Wie so oft in Australien haben sich die Einwanderer ein Stück Heimat fern der Heimat geschaffen. Vor einigen Jahren habe ich gar einmal gelesen, dass Tradition und Sprache am ehesten in diesen Refugien erhalten bleiben, weil man sie hier noch intensiv pflegt, während sie in den Ursprungsländern immer mehr durch äußere Einflüsse überholt und vergessen werden. Was übrigens auch für unsere Muttersprache gilt. Unterhalten Sie sich mit einem Auswanderer, der Deutschland in den 50ern den Rücken kehrte und Sie hören, was ich meine.

Sonntag, 17. Juni 2007

Oh-Oh-Oh Banana Joe


Ich bin wieder an der Küste und irgendwie erinnere ich mich in letzter Zeit immer an Filme bzw. Fernsehserien. Nach Bonanza kommt mir jetzt der alte Schinken mit Bud Spencer in den Sinn. Wahrscheinlich ist das schon der Entzug, denn seit September habe ich kaum mehr als 10 Stunden ferngesehen, von den Sportübertragungen im Pub mal abgesehen. Aber derartiger Klamauk könnte auch gut in Coffs Harbour spielen. Hier gibt es die „Big Banana“, groß genug um durch zu marschieren, warum also nicht einen „Big Bud“? Letztendlich finde ich das gelbe Plastikungetüm aberf trotz seiner Bekanntheit nicht halb so kurios, wie das Gebäude, das gleich neben der Plantage steht. Was Sie auf dem Bild hinter den Bananenblättern sehen, ist tatsächlich eine Schneehalle, in der man Ski- oder Schlitten fahren kann. Mir ist jetzt nicht genau bekannt, welche Temperaturen man benötigt, um erfolgreich Bananen anzubauen, aber zwischen Schnee und Frucht dürften wohl mehr als 20°C liegen. Angesichts dieses Energieaufwandes würden dem guten Bud bestimmt die Barthaare zu Berge stehen.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Saukalt ...


... ist es geworden. Auf dem New England Plateau sinken die Temperaturen jetzt schon gewaltig, mein Schlafsack ist so dünn, dass man ihn (fast) in der Hosentasche transportieren kann und so ziehe ich vom Kombi ins Motel. Aber es ist auch Winter hier in Australien, was will man also erwarten. Immerhin, tagsüber wärmt die Sonne und die Szenerie erinnert mich entfernt an den Herbst in Deutschland. Vielleicht liegt es auch an den niedrigen Temperaturen, dass ich hier auf keine ausländischen Touristen treffe, denn die pilgern um diese Jahreszeit alle in den tropischen Norden des Landes. Aber ich genieße es, die Ortschaften in ihrer Ursprünglichkeit zu erleben: ruhig, entspannt und herbstlich schön.

Montag, 11. Juni 2007

Auf die Pferde, Hoss!


Auf den langen Fahrten in Australien ist Musik die beste Unterhaltung. Während viele Backpacker CD- und MP3-Player in ihren Autos installieren um ihre Lieblingsmusik hören zu können, bin ich auf Reisen ein absoluter Radio Fan. Die vielen lokalen Sender stimmen einen schon lange bevor man ankommt auf die jeweilige Region ein. Und wenn man Richtung Tamworth fährt, heißt das: Country. Das selbsternannte „Nashville Australiens“ beherbergt das größte Musikfestival des Landes und auch die größte Gitarre. Die „Big Golden Guitar“ ist 12 Meter hoch und wurde von Musiklegende Slim Dusty (der „dünne Staubige“; leider bereits verstorben, aber für viele Fans der Country-Gott) eingeweiht. Die Klampfe steht derzeit zum Verkauf, für schlappe 1.5 Millionen Dollar kann man das komplette Touristenzentrum mit dem dazugehörigen Wahrzeichen sein Eigen nennen. Soviel habe ich gerade nicht übrig, aber für ein Konzert soll es dann schon noch reichen. Irgendwo zwischen Waffenladen, Westernshop und Tonstudio stehe ich dann abends in einer Kneipe und wippe zum Countrysound. In Turnschuhen und T-shirt komme ich mir fast schon etwas verloren vor, zwischen den Cowboys und –girls, aber ich werde (wie immer in Australien) freundlich aufgenommen und ich glaube, eine kleine Schwäche für Frauen mit Hut entwickelt zu haben.

Freitag, 8. Juni 2007

Hinterland NSW


“Der Matriarch“, grinst mich Frank an und alle Insassen lachen lauthals. „Ihr gehört das alles hier“, fügt Ben hinzu und zeigt von der Rückbank aus zwischen Frank und mir auf das vor uns liegende Tal. Wir sind auf einem Ausflug ins Hinterland, in die Gegend von Gloucester. Er wolle nur „kurz“ einige alte Freunde besuchen hatte Frank gesagt und jeder dieser Freunde hatte dann auch noch Zeit uns zu begleiten. Also sitze ich nun neben Frank auf dem Beifahrersitz, Ben, Gene und Tommy haben sich auf den Rücksitz gequetscht. Sie scheinen es lustig zu finden, dass uns gerade eine weißhaarige Frau in ihrem Auto fast von der Strasse gefegt hat. Gut, gegen unseren riesigen Geländewagen hätte ihre Limousine sicherlich alt ausgesehen, trotzdem: ich habe einen gewaltigen Schreck bekommen. Aber ich erfahre immerhin, dass dieser rasanten Dame das ganze Tal gehört und somit auch die Piste auf der wir gerade fahren. Ihr einziger Sohn sei einer der begehrtesten Junggesellen der Gegend gewesen, habe jetzt aber seine Cousine geheiratet. „Dritten oder vierten Grades“, klärt mich Tommy auf, „So bleibt es immerhin in der Familie“. Schallendes Gelächter erfüllt das Auto und die nächsten Stunden jagt eine Geschichte die andere. Gegen Abend wird obligatorisch das Pub angesteuert und ich kann kaum so viel trinken, wie mir meine neuen Bekannten ausgeben wollen. Und weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will, schlafe ich in dieser Nacht besonders gut.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Team Teebeutel


Ich besuche meinen guten alten Freund Frank in Forster. Vor einigen Jahren haben wir uns auf einem Segeltörn kennen gelernt und jetzt genieße ich seine Gastfreundschaft. Die Rollenverteilung in seinem Haushalt ist noch klassisch: seine Frau kocht und wir sitzen auf der Veranda und trinken Bier. Am nächsten Morgen erhalte ich sogar die temporäre Mitgliedschaft in der Vereinigung der „Teabaggers“. Wenn ich jetzt sage, dass Frank mit 60 Jahren der Jüngste ist, erklärt das vielleicht auch meine Anfangszeilen. Alle anderen Mitglieder sind mehr als doppelt so alt als ich. Jeden Morgen treffen sie sich punkt halb sieben am Strand, um dann genau eine halbe Stunde im Meer schwimmen zu gehen. „Eigentlich schwimmen wir nicht wirklich, sondern hängen nur wie Teebeutel im Wasser“, erklärt mir Ron, 73 Jahre und Vereinsvorsitzender, „daher auch der Name“. Jedenfalls ist es extrem lustig, es werden Witze gemacht und alle Anwesenden kräftig auf die Schippe genommen. Einige der Senioren setzten aber auch voll auf den Fitnessaspekt. Wie Neil (Bild), der mit stolzen 78 Jahren noch täglich seinen Bahnen im Salzwasserpool zieht. Entsprechend fit sieht er auch noch aus.

Montag, 4. Juni 2007

Turbo vs. Trawler


„Das ist mit AAAAbstand das Geeiiilste was wir hier gemacht haben!!!! Sowas von krassomat!!“ Markus und Holger fuchteln wie wild mit den Händen vor meinem Gesicht. „Sooo steil ging das bergab“, erklärt Holger und zeigt mit seinem Arm einen fast senkrechten Winkel, „da hilft auch Bremsen nichts mehr“. „Und unten dann wieder Vollgas und in die Kurve!“, Markus reißt einen imaginären Lenker herum und verzieht das Gesicht als würden gerade 4G auf ihn einwirken. Die beiden sind frisch gebackene Abiturienten aus Deutschland und berichten mir gerade von ihrem Quad-Erlebnis in den Sanddünen nahe Port Stephens. Für etwa 80$ pro Nase kann man hier auf den 4-rädrigen Geschossen durch die Gegend brettern. So richtig verstanden habe ich das alles aber auch nur, weil ich vor einiger Zeit das „So-spricht-unsere-Jugend-Lexikon“ bei Bild-Online gelesen habe. Und ich bin gerade mal Anfang 30. Ich verabschiede mich relativ schnell und verbringe den Nachmittag im Hafen, wo eine ganze Armada von Fish-Trawlern auf ihren Einsatz warten. Der ideale Ort um in Ruhe einige Seiten zu schreiben. Ich bin ja auch nicht (nur) zum Spaß hier.

Samstag, 2. Juni 2007

On The Road Again


So toll Sydney auch ist, ich bin schließlich hier um einen Reiseführer zu recherchieren und deshalb geht es wieder auf die Strasse. Und ich hätte den falschen Beruf, wenn ich mich darüber nicht unglaublich freuen würde. Gut 15.000km habe ich noch vor mir und das beste daran: Es geht in den warmen Norden des Landes. In Sydney ist es mittlerweile empfindlich kalt geworden und die Temperaturen im sonnigen Queensland sorgen auch im australischen Winter dafür, dass braungebrannte Waden aus der kurzen Hose ragen. Mein Kombi hat sich bereits auf der südlichen Etappe bewährt. Knapp 20.000km hat er ohne zu murren abgespult und so manche Nacht habe ich darin verbracht. Letztere Tatsache hat meine Mitbewohnerinnen dazu veranlasst, dem Auto diverse Namen zu geben, die ich allerdings hier nicht wiederholen kann. Ob sie da aus Erfahrung sprechen? Wie auch immer, jedenfalls schläft es sich auch auf den eigenen vier Rädern ganz gut, wenn man schon keine eigenen vier Wände hat. Wie auf dem Bild zu sehen, habe ich in der ersten Nacht sogar die Luxusvariante mit Stromanschluss. Und so ungemütlich sieht es doch gar nicht aus.