Donnerstag, 31. Mai 2007

Neue Perspektive


Die Hafenbrücke ist mein absolutes Lieblingsbauwerk in Sydney. Der Sydney Tower ist spektakulärer, das Opernhaus extravaganter, aber die Brücke ist einfach klassisch schön. Und wenn Sie jetzt denken, dass mein heutiges Bild nicht unbedingt außergewöhnlich ist, dann stimmt das vielleicht sogar. Es gibt bestimmt bessere Winkel um den Stahlgiganten in Szene zu setzen, aber heute bin ich erstmals zum Sonnenuntergang in der Watsons Bay, nahe des South Head, und so bin ich ganz begeistert von der neuen Perspektive auf „meine“ Brücke. Da kann man schon verstehen, dass die Wohngegend hier zu den teuersten in Sydney gehört. Weltberühmte Aussies wie Nicole Kidman und Russel Crowe sollen ganz in der Nähe ihre bescheidenen Hütten stehen haben. Die müssen dann nicht wie ich auf einer betonierten Tribüne auf einem Sportplatz stehen, sondern können dieses Spektakel wahrscheinlich sogar von der Badewanne aus genießen. Aber da eine Einladung von Nicole eher unwahrscheinlich ist, bin ich für heute auch mit meinem Standort ganz glücklich.

Montag, 28. Mai 2007

Sydney Sunday


Ich besuche meinen ehemaligen Brötchengeber, dem ich meine erste Arbeitsstelle in Australien zu verdanken habe. Ein guter Job, als Operations Manager im Yachthafen und für eine Landratte aus Bayern ziemlich spannend. Meine Aufgabe war es, die Motorjachten unserer Kunden jederzeit Einsatzbereit zu halten. Und dazu gehören natürlich auch entsprechende Testfahrten. Nur zu gerne begleite ich meine Kollegen von damals auf die kurzen Runs im nördlichen Hafenbecken. Aus Versicherungsgründen darf ich heute zwar nicht ans Steuer, aber so kann ich problemlos die Kamera zücken und meinen ehemaligen Arbeitsplatz dokumentieren. Wie fast immer ist alles in Ordnung, jetzt heißt es nur noch voll tanken und die Kunden können kommen. Die Boots-Branche ist massiv am wachsen, das Geld sitzt bei den Sydneysidern locker, wenn es um die Vergnügungen auf dem Wasser geht. Papa hat zwar meist nur am Sonntag Zeit, denn die Millionen für ein entsprechendes Wasserspielzeug wollen ja auch erst einmal verdient werden. Dafür wird dann auch schon einmal ein Skipper angeheuert, der während der Woche die Gattin mit Freundinnen zum Kaffeekränzchen chauffiert, oder die Kinder auf eine kleine Spaßfahrt mit nimmt.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Der letzte Schrei?


Oder doch eher zum Schreien? Es gibt schon sonderbare Gestalten auf dieser Welt. Logischerweise auch in Australien. Man trifft hier auf Aussteiger, Althippies, Ökos und Rednecks, Menschen zwischen ausgeflippt und abgestürzt. Warum der gute Mann auf dem Bild einen kurzärmeligen Angorapulli mit Schleifchen trägt, ist mir immer noch ein Rätsel. Im Pub scheint sich jedenfalls niemand daran zu stören, wie ein ganz „normaler“ Gast steht er am Tresen, trink Bier, unterhält sich und lacht. Und bereitwillig posiert er für ein Foto, das wahrscheinlich nicht entstanden wäre, wenn ich selbst nicht auch schon einige Biere intus gehabt hätte. Ich hake sein Erscheinen als einmaligen modischen Ausrutscher ab, wahrscheinlich im Zuge einer verlorenen Wette. Aber nur wenige Tage später unterhalte ich mich mit einer Freundin über eben dieses hier angesprochene Thema und sie erzählt mir lachend von einem Kerl in Damenpullis. Seit Jahren laufe der so herum, bestätigt sie. Nun gut, wem es gefällt.

Montag, 21. Mai 2007

Kein Foto ohne mich!


In Sydney kosten die Grundstücke am Wasser oft genug im zweistelligen Millionenbereich und sind trotzdem heiß begehrt. Im Taronga Zoo genießen einige der tierischen Bewohner den „multi-million dollar view“ ganz um sonst. Nun gut, dafür sind sie eingesperrt. Die Giraffe interessiert sich aber weniger für den Blick auf den Hafen, als für - ich gebe es zu - die Pflegerin, die neben mir steht und mit einer Karotte wedelt. Trotzdem war ein ganzes Stück Geduld nötig um dieses Bild zu schießen. Nicht zuletzt deshalb, weil etliche dutzend Touristen genau diesen Schnappschuss haben wollen – noch zusätzlich mit der Freundin, den Kindern oder Tante Betty im Vordergrund. Und als erwachsener Mann kann ich ja schlecht kleine Kinder zur Seite schieben. Aber die nette Pflegerin zückt für mich noch einmal ihre Geheimwaffe. Mit Karotten könne man die langhalsigen Diven dann doch immer an den richtigen Spot locken, lacht sie. Leider müsse man aber derlei Zusatzfütterungen beschränkt halten. Und damit es unter den Vierbeinern keine Eifersüchteleien gibt, wird derzeit auch eine solche Luxusunterkunft für die Elefanten gebaut.

Freitag, 18. Mai 2007

Surf's Up ...


Der Winter steht vor der Tür und die Surfer freuen sich schon auf die Wellen, die die Tiefdruckgebiete an die Küste senden werden. So auch mein Freund Andy. Er ist einer dieser Fanatiker, die ihr ganzes Leben nach dem Ritt auf dem Brett ausrichten. Erst vor kurzem hat er einen gut bezahlten Job abgelehnt, weil er da zu früh am Morgen anfangen hätte müssen und keine Zeit für seinen „good morning surf“ gehabt hätte. Er habe da nicht lange nachdenken müssen, er würde sich einfach nicht wohl fühlen, wenn er nicht jeden Tag aufs Wasser käme, so sein Kommentar. Und wer jetzt an einen dieser wilden, jungen Mittzwanziger denkt, liegt falsch. Der Mann ist 39 und Familienvater. Aber hier in Australien ist das nicht ungewöhnlich. Wer morgens um sechs an den Strand geht, sieht oft dutzende Surfer auf dem Wasser. Auf dem Parkplatz keine alten Rostlauben, sondern glänzende Audis und Holdens. Nicht selten sieht man Männer jenseits der 40, die nach der morgendlichen Surf-Session direkt vom Surf- in den Businessanzug wechseln und dann ins Büro brausen. Und, wie auf dem Bild zu sehen ist, sind die Wellen schon lange nicht mehr männliches Hoheitsgebiet ... Ich habe gesehen, was die Dame unter ihrem Neopren trägt und kann nur sagen: Gott sei Dank!

Dienstag, 15. Mai 2007

Transport ... Sydney Style


Ich wohne bei meiner Freundin an den Northern Beaches, für mich nicht nur deshalb die schönste Gegend von Sydney. Hier geht alles etwas ruhiger zu als in Bondi, Paddington oder anderen In-Vierteln. Und wie der Name schon sagt, es reiht sich ein Strand an den nächsten. Eine Fahrt ins Stadtzentrum beinhaltet auch immer eine Fahrt auf der Fähre und für mich gibt es nichts Aufregenderes, als nach Monaten oder gar Jahren wieder auf eines der grün-gelben Schiffe zu steigen. Eine der alten Fähren muss man nehmen, es gibt moderne Jet-Cat Boote, die nur 15 Minuten für die Fahrt zum CBD benötigen, aber die kann man als Urlauber getrost den zahlreichen Pendlern überlassen, die jeden Morgen ins Büro müssen. Die großen, alten und etwas behäbigen Fähren, die Freshwater oder die Narrabeen, sind genau richtig für die 30minütige Fahrt. Bei schönem Wetter auf den Freiluftdecks, mit einem frisch gebrühten Kaffee aus dem schiffseigenen Kiosk. Man verlässt Manly und fährt zuerst auf die Ausfahrt des riesigen Hafens zu, dann, nach etwa 10 Minuten, biegt der Kapitän um den Middle Head und nach und nach tauchen Skyline, Opernhaus und Hafenbrücke vor einem auf. Und auch obwohl ich diese Fahrt bestimmt schon 100 Mal unternommen habe, zücke ich vor Begeisterung trotzdem noch fast immer den Fotoapparat.

Sonntag, 13. Mai 2007

Harbour City


Ich bin in Sydney. Wieder. Hier habe ich vor etlichen Monaten meine Recherchen für den Reiseführer begonnen, von hier aus bin ich entlang der Küste Richtung Victoria gereist. Bevor ich nun in den kommenden Monaten die „Nordschleife“ in NSW und Queensland bereise, werde ich einige Wochen in Sydney bleiben und meine Arbeit in der größten Stadt des Landes komplettieren. Vor Jahren habe ich schon einmal hier gelebt und gearbeitet und ich freue mich jedes Mal, wenn ich zurück bin. Touristisch gesehen ist Sydney ein absolutes Highlight in Australien und kaum eine „Ersttäter“ plant seinen Aufenthalt in „Down Under“ ohne mindestens einige Tage hier zu verbringen. Eine Stadt wie diese wird nie langweilig, immer gibt es etwas zu entdecken, ein neues Café, eine versteckte Bar oder einfach ein lauschiges Plätzchen entlang der vielen Strände. In diesem Sinne ... ich bin schon auf dem Sprung ins Pub.

Freitag, 11. Mai 2007

Von den grauen Bergen ...


... kann so mancher Tourist ein Lied singen, wenn für die Schwestern nur ein kurzer Aufenthalt am frühen Morgen eingeplant ist. Das Foto ist keine Montage, sondern nur einen Tag nach dem Bild des vorherigen Eintrags geschossen. Eine ziemlich trübe Suppe und das bis in den späten Vormittag. Für mich persönlich ein ruhiger Tag und deshalb nehme ich mir hier die Zeit, die Legende der „Three Sisters“ aufzuschreiben. Ich bin sicher, dass Sie auch die Originalversion verkraften, ohne bleibenden Schaden zu nehmen:

Die drei Schwestern Meehmi, Wimlah und Gunnedoo lebten als Mitglieder des Volkes der Katoomba im Tal. Die Mädchen verliebten sich in drei Brüder aus dem Pepean Stamm, aber die Gesetze verboten ihnen zu heiraten. Die Männer wollten daraufhin die Schwestern mit Gewalt erobern. Ein Kampf stand unmittelbar bevor und um die Mädchen zu schützen verwandelte sie ein Zauberer der Katoomba in Stein. Für die Dauer der Auseinandersetzungen sollte es den Angreifern unmöglich sein, die drei zu entführen. Unglücklicherweise fand aber der Zauberer selbst im Kampf den Tod und so konnten die Schwestern nie in ihre menschliche Gestalt zurück versetzt werden.

Auch nach tausenden von Jahren noch eine schöne Geschichte, um die Existenz von drei gut 900m hohen Felssäulen zu erklären.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Von den blauen Bergen...


... komme ich nicht und auch sonst haben diese blauen Berge mit denen aus dem bekannten Lied nichts zu tun. Mein Weg zurück an die Küste, genau gesagt nach Sydney, führt mich aber über die Blue Mountains. So benannt, weil das verdunstende Eukalyptusöl der heimischen Gum-Trees einen blauen Dunstschleier über die Wälder und das Buschland legt. Die gesamte Region ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner aus dem nahen Sydney, außerdem sind die Berge für viele Touristen ein fester Bestandteil ihrer Reise. Die wohl bekannteste Attraktion sind die „Three Sisters“ (Bild) in Katoomba. Der Aboriginal Sage nach handelt es sich bei der Felsformation um drei Schwestern, die während einer Stammesfehde zu ihrem eigenen Schutz von einem Magier in Fels verwandelt wurden. Allerdings wurde der Magier bei den Kämpfen getötet und die drei Mädchen konnten deshalb nicht zurück verwandelt werden. So die Kurzversion. Und weil der allgemeine Irrsinn auch vor Australien nicht halt gemacht hat, gibt es mittlerweile auch „entschärfte“ Versionen. Auf meine Frage, warum es denn verschiedene Geschichte gebe, erklärt mir die Dame von der Touristeninformation, das Original sei einigen Leuten zu sexistisch und zu gewalttätig gewesen.

Sonntag, 6. Mai 2007

Cotton Fields


Im Zentrum von New South Wales wird Landwirtschaft im großen Stil betrieben. Auf dem Bild der Übeltäter Nummer Eins, der seit etlichen Jahren zunehmend Attacken aus allen Richtungen ausgesetzt ist: die Baumwolle. In einem Land, das notorisch unter Wasserknappheit leidet ist das Gewächs so fehl am Platz wie man es sich nur vorstellen kann. Es gibt überhaupt nur wenig Pflanzen, die mehr Wasser benötigen als die Sträucher mit den weißen Bauschen. Etwa 1600 Liter sind nötig um Baumwolle im Gegenwert von 1$ (0,60Euro) zu produzieren. Ein vielfaches des Verbrauchs anderer Nutzpflanzen und das sei nicht mehr tragbar, so die Kritiker. Dass hier stark bewässert wird, merke ich auf der Suche nach dem idealen Schnappschuss: während am Straßenrand noch alles staubtrocken ist, versinke ich einige Schritte später bis über die Knöchel im Schlamm eines Wassergrabens. Nun gut, vielleicht hätte ich auch nicht über den Zaun klettern sollen, aber das Erinnerungsfoto soll ja schließlich was her machen. Und man kann sagen was man will, ein schöner Anblick sind die Felder auf jeden Fall.

Samstag, 5. Mai 2007

Roadtrain, Roadhouse, Roadkill


In Australien ist kürzlich wieder ein Buch mit dem Namen „Roadkill“ erschienen, Inhalt: überfahrene Tiere am Straßenrand. Das mag auf den ersten Blick etwas makaber sein, wenn man aber selbst durch das Outback fährt, dann MUSS einem zwangsläufig diese Idee kommen. Zum einen gibt es wirklich eine unglaubliche Menge und Vielfalt an Kadavern am Straßenrand, zum anderen ist die Fahrt sehr monoton: alle 200km ein Roadhouse und von Zeit zu Zeit ein Road-Train, eines jener PS-Ungetüme, die mit bis zu 4 Lastwagenanhängern und gut 100km über die Straßen preschen. Jedenfalls können da die Gedanken schon mal in derartige Sphären abschweifen - was dann unter Umständen zu einem weiteren Opfer führt, weil man nicht mehr richtig aufpasst. Tatsächlich habe ich nicht nur die obligatorischen Känguruüberreste gesehen, sondern auch die von Wombats, Schafen, Ziegen, Schlangen, Eidechsen, Schnabeligeln und sogar von Kühen. Und das alles mehrfach und in den verschiedensten Stadien der Verwesung. Meist sind es die Fahrer der Road-Trains, die sich, bei dem unglaublichen Bremsweg ihrer Gespanne, erst gar nicht die Mühe machen in die Eisen zu steigen. Aber auch so mancher Tourist durfte diese Erfahrung schon machen. Dann auch mit erheblichen Kosten verbunden, denn während die Lastwagen immer über einen massiven Rammschutz aus Stahl verfügen, sind normale PKWs dem Aufprall einer Kuh nicht wirklich gewachsen (einer meiner Freunde hat genau so sein Miet-WoMo in den Autohimmel befördert). Mein Favorit für das Foto zu diesem Eintrag ist allerdings eine etwas andere Art von Roadkill: ein (aus)geschlachteter Holden.

Dienstag, 1. Mai 2007

Outback Hollywood


Als letzte Station vor meiner Weiterreise gen Osten fahre ich nach Silverton, etwa 25km von Broken Hill entfernt. Hier ist der Himmel nicht nur blau, sondern wahrscheinlich der blauste überhaupt, denn der verlassene Ort im Nirgendwo ist ein beliebter Drehplatz für Filmcrews. Die alten, aus Sandstein gemauerten Gebäude waren in über 140 Filmen zu sehen, vom Actionknaller Mad Max II bis zum Drag-Queen Streifen Priscilla – Queen of the Desert. Auch einige der extrem lustigen XXXX-Bierwerbespots sind hier entstanden. Womit, mehr oder weniger elegant, auf eines meiner Lieblingsthemen übergeleitet wäre. Denn Silverton mag vielleicht Kulisse sein, aber es wäre nicht Australien, wenn es nicht ein ordentliches und voll „funktionstüchtiges“ Pub geben würde. Also parke ich meinen Kombi neben der schwarzen Schleuder von Mad Max (aus dem Flim) und nehme mir die Zeit für etwas Small Talk. Auf das kühle Blonde verzichte ich zugunsten der Fahrtüchtigkeit, denn der Arm des Gesetzes reicht auch ins entfernteste Outback.