Montag, 30. April 2007

Freiluftkunst


Für diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben, oute ich mich hier noch einmal als großer Outback-Fan. Nirgends ist die Luft klarer, der Himmel blauer, nirgends leuchten die Sterne heller. Und was für mich noch ein weiterer Pluspunkt ist: es gibt Platz. Jede Menge Platz. Und so kann man großartige Kunst schaffen, die man dann wunderbar in die Landschaft stellen kann. Wie die Skulpturen im Living Desert Reserve (siehe Bild). Für 10$ erhalte ich in der Touristeninformation einen Schlüssel um die Tore auf der Zufahrtsstrasse aufzuschließen. Am Ziel heißt es dann: anhalten, aussteigen, aufschließen, Tor öffnen, einsteigen, durch fahren, anhalten, aussteigen, Tor zu, zusperren, einsteigen, weiter fahren. Bis zum nächsten Tor. In der Information war nur von „the gate“, also von einem Tor die Rede, aber ich darf das Ritual etliche Male wiederholen. Wohl dem, der einen Beifahrer hat. Habe ich nicht und so verbringe ich einige Zeit mit ein- und aussteigen. Aber es ist ja nicht so, als ob ich in Eile wäre.

Samstag, 28. April 2007

Ein Deutscher im Glück ...


Die „Line of Lode“, die gewaltige Erzader, wurde 1883 von dem Deutschen Charles Rasp entdeckt. Die größte ihrer Art weltweit, 7.5km lang und 250m breit. Über 100 Milliarden Dollar haben die Minen in Broken Hill erwirtschaftet – und mehr als 800 Menschenleben haben sie gefordert. Charles Rasp jedenfalls starb 1907 als reicher Mann. Heute kann man zwei der alten Minen unter Tage besichtigen und etliche verlassene Gebäude zieren das Stadtbild. Für mich steht allerdings ein anderer Programmpunkt an erster Stelle. Mit meinem Bekannten Mike gehe ich in den Musicians Club um dort eine Partie „Two Up“ zu spielen. Das Glücksspiel mit den zwei Münzen wurde von den ANZAC Soldaten im ersten Weltkrieg gespielt und war lange illegal in Australien. Ist es zu weiten Teilen auch heute noch, aber der Musicians Club hat eine der begehrten Genehmigungen. Und während ich fleißig verliere, scheint Mike das Spiel erfunden zu haben und gewinnt eine Runde nach der anderen. Aber das sprichwörtliche Glück schlägt dann doch noch zu und wir können beide einen Gewinn mit nach Hause nehmen.

Dienstag, 24. April 2007

Rote Erde


Wo genau das Outback beginnt ist nicht wirklich definiert. Für einige Australier lautet die Devise gar: Sydney or the Bush, alles außerhalb der Stadtgrenzen ist Einöde. Fest steht aber, dass man auf dem Weg nach Broken Hill mit Sicherheit irgendwann im Outback ankommt: die entgegenkommenden Autos werden immer weniger, die überfahrenen Tiere am Straßenrand immer mehr, Kurven auf der Straße sind praktisch nicht mehr existent. Und das ist noch die abwechslungsreichere Route, von Mildura kommend. Aber die Schönheit dieser roten, öden und durchaus auch lebensfeindlichen Landschaft ist nicht zu leugnen. Zugegeben, aus einem klimatisierten Auto heraus und mit eisgekühltem Bier in der Kühlbox lässt es sich leicht staunen, aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ich im 21. Jahrhundert lebe. Umso bewundernswerter gerade diejenigen, die sich hier zu einer Zeit eine Heimat geschaffen haben, als es keine Autos, keinen Strom und kein Telefon gab.

Samstag, 21. April 2007

Houseboat Holiday


Meine Reise entlang des Murray geht langsam dem Ende entgegen. Die beiden letzten Stationen sind Mildura und Wentworth, dann soll mein Weg ins rote Outback von New South Wales führen. Aber zunächst genieße ich meine restliche Zeit am Fluss. Der Wasserstand scheint normal zu sein und die Hausboote hier können es bezüglich Wohnfläche mit einem 4-Zimmer Apartment aufnehmen, bis zu 12 Personen finden darauf Platz. In Wentworth treffen die beiden größten Flüsse Australiens, der Darling River (der längste Fluss) und der Murray (der mächtigste Strom), aufeinander. Eine alte Postkarte zeigt aus der Vogelperspektive die unterschiedliche Färbung der beiden Flüsse: der Darling ist aufgrund von Kalkablagerungen sehr hell, der Murray hingegen sehr dunkel gefärbt. Die Stelle an der sie aufeinander treffen ist fast wie mit dem Lineal gezogen und der Darling verliert sich im „Mighty Murray“. Zu sehen ist das momentan allerdings nicht, aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bleibt das Wehr unterhalb der Mündung geschlossen und die dunklen Fluten des Murray stauen sich 80km den Darling hinauf. Dafür bleibt noch Zeit eine andere Attraktion zu besuchen. Nur 4km außerhalb des Ortes befinden sich hohe Wanderdünen, die nicht nur ein beliebter Spielplatz für Kinder sind, sondern auch regelmäßig Jahrtausende alte Relikte freigeben.

Donnerstag, 19. April 2007

Salute to the Ute ...


Ich bin immer wieder überrascht, welchen Einfallsreichtum Australische Ortschaften an den Tag legen, um sich von ihrem Dasein als unbekannter Punkt auf der Landkarte zu befreien. Wie einfach es geht, zeigt das Beispiel Deniliquin: Man nehme einen kleinen, einsamen Ort im Süden von NSW, dazu der Australier Lieblingsauto, veranstalte ein Festival ... und fertig ist die Deniliquin Ute Muster. Ziel dabei ist es, so viele Utes (Utility Fahrzeuge mit Ladefläche; siehe Bild) als möglich zu vereinen. Im letzten Jahr zählte man über 6000 Stück. Gleichzeitig gibt es einen meiner persönlichen Festivalfavoriten überhaupt: die blue singlet competition. Dabei wird gezählt wie viele der Anwesenden ein blaues Unterhemd tragen und der aktuelle Rekord liegt bei 1566 Personen. Leider bin ich an einem der 363 weniger spannenden Tage vor Ort und es ist mir nicht vergönnt, der 1567ste Unterhemdträger zu sein. Trotzdem sorge ich für meinen nächsten Besuch vor und erstehe im Souvenirshop schon ein blaues U-Hemd mit Originalaufdruck.

Dienstag, 17. April 2007

Die Schaufelrad-Hauptstadt der Welt


... oder genau genommen, die Hauptstadt der Schaufelrad-dampfer - zumindest wirbt die Stadt Echuca so für sich. Der Murray war einst wichtiger Handelsweg und Schaufelraddampfer versorgten die Siedlungen entlang des Flusses. Diese Zeiten sind lange vorbei und heute werden auf den historischen Schiffen nur noch Touristen transportiert. Der Wasserspiegel ist allerdings auch hier bedenklich niedrig und vom „Mighty Murray“, dem mächtigen Murray, ist nicht viel zu sehen. Immerhin können die Schiffe überhaupt noch fahren, weiter flussaufwärts (z.B. Albury) liegen die Dampfer fast schon auf dem Trockenen. Betrachtet man die Böschung (siehe Bild), so kann man den Unterschied zum Normalpegel deutlich erkennen. Eine besondere Herausforderung auch für die Besitzer von Hausbooten. Die haben zwar kaum Tiefgang und sind noch problemlos unterwegs, allerdings sind in Punkto Anlegesteg wilde Konstruktionen nötig, um überhaupt auf das Boot zu kommen.

Freitag, 13. April 2007

Wasserspaß nach Maß ...


Etwa 100km westlich von Albury weitet sich der Murray. Der Lake Mulwala ist ein künstlich angestauter See und Teil eines der größten Bewässerungssysteme auf der Südlichen Hemisphäre. Die angrenzenden Ortschaften Mulwala und Yarrawonga sind deshalb vor allem bei Wassersportlern sehr beliebt. Ich habe besonderes Glück: kein Lufthauch zu spüren, spiegelglatte Wasseroberfläche und angenehme 25°C. Und wenn hier schon die Weltelite zu Wasserski- und Wakeboardevents aufläuft, dann ist das für unsereins gerade gut genug. Ausrüstung und Boot sind schnell gemietet, Fahrer inklusive. Dass die perfekten Bedingungen nicht unbedingt einen perfekten Wasserskiakrobaten aus mir machen, tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Meine Bootsbesatzung scheint sich jedenfalls nicht weniger zu amüsieren als ich. Ich vereinbare, am nächsten Tag gleich noch einmal eine Session einzulegen. Dank eines gehörigen Muskelkaters fällt die Wahl dann aber doch auf ein geruhsameres Kajak.

Mittwoch, 11. April 2007

Plastik Pub ???


Ist es nicht, auch wenn es aussieht wie von Playmobil. Immerhin hat die außergewöhnliche Optik für eine gewisse Bekanntheit gesorgt. Das Ettamoga Pub liegt einige Kilometer außerhalb von Albury-Wodonga und man kann tatsächlich auch ein kühles Blondes darin trinken (Der LKW auf dem Dach ist Maßstab 1:1). Obwohl ich mir eine derartige Gelegenheit nur ungern entgehen lasse, verzichte ich heute, ich muss schließlich noch zu meinem Campingplatz fahren. Albury-Wodonga liegt am oberen Lauf des Murray River und markiert eine neue Etappe auf meiner Reise. Die Berge liegen mittlerweile hinter mir und ich werde dem Fluss Richtung Westen bis an die Grenze nach Südaustralien folgen. Der Murray ist dabei auch die Grenze zwischen New South Wales im Norden und Victoria im Süden und ich werde zwischen den beiden Staaten hin und her pendeln. Und noch ein Hinweis an diejenigen, die denken ich würde hier zu viel von Wein und Bier berichten: Eigentlich wollte ich an dieser Stelle von der Giftschlange erzählen, die mir gerade einmal 50m von der Touristeninformation entfernt vor die Füße gekrochen ist. Die "Red Bellied Black Snake" war aber so schnell wieder weg, dass ich meine Kamera gar nicht erst in Anschlag bringen konnte. Und die Verfolgung ins hohe Gras schien mir dann doch etwas zu gewagt. Leider gibt es deshalb kein Foto von dem Tier und das Pub erhält den Zuschlag.

Sonntag, 8. April 2007

Arlberg-Lodge und Edelweiß-Bar


Im Nordosten Viktorias befinden sich auch die Skigebiete des Staates. Die Gipfel erheben sich bis knapp 1.900 Meter, Saison ist von Ende Juni bis Anfang Oktober. Bei der Namensgebung hat man nicht gerade Kreativität bewiesen und einfach bei den Vorbildern in Europa abgeschrieben: „Edelweiß“, „Arlberg“ und „St. Anton“ sind nur eine kleine Auswahl der Namen, die hier zu lesen sind. Im Sommer kann man eigentlich gut Wandern gehen, in diesem Jahr brannten aber in der gesamten Region heftige Buschfeuer und so wurde größtenteils von einem Besuch der betroffenen Gebiete abgeraten. Bei meinem Besuch sind die Buschfeuer zwar allesamt erloschen, aber viele Wanderwege sind trotzdem noch gesperrt. Entsprechend leer ist es in den Straßen der Resorts. Lediglich einige Arbeitstrupps sind vor Ort und bereiten die Ortschaften auf die bevorstehende Skisaison vor. Die Kettenfahrzeuge in Falls Creek stehen jedenfalls schon bereit um in einigen Monaten die Touristen auf die Pisten zu befördern.

Freitag, 6. April 2007

Rauchzeichen in den Bergen ...


... stammen nicht von Aborigines, sondern leider von meinen Bremsen. Auf der Rückfahrt vom Mount Baw Baw steigen plötzlich weiße Rauchschwaden aus den Radkästen meines Kombis und die Bremskraft sinkt schlagartig. Vor mir liegen steile Serpentinen und mit schwachen Bremsen bleibt mir nichts anderes übrig als den kleinsten Gang einzulegen und ins Tal zu zuckeln. Der Rückweg dauert 3 Stunden anstatt der geplanten 60 Minuten, es ist mittlerweile stockfinstere Nacht, ich bin entsprechend schlecht gelaunt und froh noch eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Am folgenden Morgen bezahle ich 160$ für die neuen Bremsbeläge und die Reparatur, was meine Stimmung auch nicht gerade hebt. Immerhin ist mein Gefährt jetzt wieder einsatzbereit und schon auf der nächsten Exkursion, zum Mount Buller, zeigen sich die Berge wieder von ihrer faszinierenden Seite: Das neblige Wetter taucht die fransigen Gum-Bäume in einen diesigen Schleier und erzeugt eine fast schon mystische Stimmung. Und alle Unannehmlichkeiten sind vergessen.

Dienstag, 3. April 2007

Wein ... und Gesang!


Das Yarra Valley nordöstlich von Melbourne ist bekannt als Heimat köstlicher Tropfen. Hier reiht sich praktisch ein Weingut an das andere und die Auswahl ist riesig. An einer „kleinen“ Weinprobe führt da kein Weg vorbei. Und weil ich den Wein nicht nur probieren, sondern auch trinken will, bleibt nur eine organisierte Tour. Die Polizei kennt keine Gnade und führt gerade hier besonders viele Alkoholkontrollen durch. Also: Auto stehen lassen und sich einer Gruppe anschließen. Das kostet zwar einige Dollar, ist aber immer noch billiger als Strafe bezahlen ... und lustiger ist es obendrein. Außerdem kann man dann beim Verköstigen auch etwas tiefer ins Glas schauen. Der Rest des berühmten Spruchs ergibt sich dann von selbst.