
Böse Zungen behaupten, es wäre die Sträflingsvergangenheit des Landes, warum es Verbrecher in Australien immer wieder zu Kult Status bringen. Der Straßenräuber Ned Kelly avancierte seit seiner Hinrichtung 1880 sogar zum Nationalhelden. In Melbourne gib es jetzt eine ganz besondere Attraktion: Stadttouren, geführt von Mark Brandon „Chopper“ Read, ehemaliger Auftragskiller der Unterwelt und über einige Dekaden einer der gefürchtetsten Männer des Landes. Er verbrachte die meiste Zeit seines erwachsenen Lebens im Gefängnis, wo er sich, um in die Psychiatrische Abteilung verlegt zu werden (um Racheakten zu entgehen), von einem Freund beide Ohren abschneiden ließ. Laut eigener Angaben könnte er alleine in Melbourne über 30 Orte zeigen, an denen er jemanden nieder geschossen hat. Es wird gemunkelt, die (damals ziemlich korrupte) Polizei sei gar nicht so unglücklich gewesen, jemanden für die „Drecksarbeit“ zu haben. Das erklärt wohl auch, warum so einer nie wegen Mordes angeklagt wurde und lebenslänglich hinter Gittern sitzt. Nachdem bereits einige Bücher über sein Leben auf dem Markt sind, führt er nun Interessierte zu einigen Schauplätzen seines Wirkens und garniert das ganze mit wilden Geschichten. In Internetforen wird heftig über die Tatsache diskutiert, dass ein Schwerstverbrecher aus seinen Taten auch noch Kapital schlagen kann. Die Touren erfreuen sich trotzdem großer Beliebtheit.
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