Samstag, 31. März 2007

Walhalla


Die historische Goldgräber- und Bergbaustadt Walhalla ist auf jeden Fall den kleinen Abstecher wert. Heute leben noch 11 Personen , wo zu Hochzeiten Tausende ihr Glück versuchten. Wie viele davon tatsächlich reich wurden ist mir nicht bekannt, jedenfalls hat man eine ganze Menge Gold aus dem Boden gegraben. Und hier wird immer noch Bergbau betrieben, der Ort selbst ist aber davon unberührt und dient mit seinen alten Gebäuden „nur“ noch als Touristenattraktion. Allerdings regnet es heute und außer mir ist nur noch eine Jugendgruppe zu sehen. Immerhin hat die Frau im Souvenirladen Zeit, mir einige Geschichten von vergangenen Zeiten zu erzählen. So haben die Bergleute, in Ermangelung einer geeigneten Fläche für einen Cricket Platz, 40 Fuß (12 Meter) der Bergkuppe abgetragen – mit Pickel und Schaufel wohlgemerkt. Und dass es außer mir doch noch andere Touristen gibt, merke ich als ich abreisen will: Ein Omnibus blockiert die Ausfahrt und dutzende Passagiere versichern mir, dass der unauffindbare Fahrer „gerade eben“ noch da war.

Donnerstag, 29. März 2007

Noch mehr Natur ...


Der Tarra Bulga N.P. ist ein Winzling unter Australiens Nationalparks. Dafür sind die Bäume umso größer. Auf einigen, relativ kurzen, Spatziergängen kann man eine üppige Regenwald-Vegetation bewundern. Leider hat auch hier die extreme Trockenheit der vergangenen Monate ihre Spuren hinterlassen und das satte Grün der Farne ist zum Teil einem verwelkten Braun gewichen. Zwei einheimische Wanderer aus dem nahen Morwell versichern mir aber, dass die Flora nach den regenreicheren Wintermonaten wieder in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen sei. Mit diesem Hinweis lasse ich Süd-Gippsland aber auch hinter mir und orientiere mich Richtung Norden. Hier gibt es einige kleine regionale Zentren, die besonders für ihre lokalen Produkte bekannt sind. Und da ich in den letzten Tagen sehr aktiv war, kann etwas gemütliches Schlemmen nicht schaden.

Dienstag, 27. März 2007

Zurück zur Natur ...


Nach über zwei Wochen in der Großstadt bin ich nun auch froh, wieder in etwas ruhigere Gefilde zu reisen. Östlich von Melbourne erstreckt sich die Region Gippsland und ganz im Süden davon liegt der Wilsons Promontory Nationalpark. Der Park ist von drei Seiten mit Wasser umgeben und bietet einige hervorragende Wanderungen. Als Freund der Berge mache ich mich auch gleich an den Aufstieg auf den höchsten Gipfel. Mit knapp 558 Metern ist der Mt. Oberon nicht gerade die Zugspitze, aber dafür hat man schon nach 45 Minuten bequemer Wanderung einen guten Blick über die umliegende Landschaft. Man sollte auch einen Ausflug zum „squeaky beach“ nicht verpassen. So benannt, weil der feine Sand unter den Füßen quietscht. Ich habe nicht all zu viel erwartet, weil derartige Namensgebungen oft sehr weit her geholt sind – aber der "squeaky beach" quietscht tatsächlich wie wild.

Montag, 26. März 2007

Abschied von Melbourne


Habe Melbourne hinter mir gelassen und an meinem letzten Wochenende noch ein Highlight erlebt. Die Stadt hat ihren Ruf als erstklassiger Veranstaltungsort eindrucksvoll bestätigt. Drei Tage dauerte das Kulturfestival am Ufer des Yarra River und auch wenn es über weite Strecken wie aus Eimern schüttete: ich war begeistert. Die Darbietungen waren äußerst kreativ und, speziell die akrobatischen Vorführungen, sehr professionell. Auch bei den auftretenden Bands waren Könner am Werk und vom Chinesischen Flötenspieler bis zur modernen Hip-Hop Formation war etwas für jeden Geschmack dabei. Mein Favourit des Wochenendes waren allerdings die „Michelin Männchen“ (siehe Bild), Stelzengeher mit riesigen aufgeblasenen Anzügen. Außerdam gab es noch "Synchronschwimmen" auf dem Trockenen, eine Sound-Feuershow, Blechbläser auf Elekrtoscootern und viele andere Kuriositäten. Und weil Ende April das große Melbourne Jazz Festival statt findet, habe ich mich vorsichtshalber mal selbst bei meinen Freunden eingeladen und das Sofa vorreserviert.

Donnerstag, 22. März 2007

Eine laue Spätsommernacht ...


... und ich bin im Botanischen Garten bei Shakespeare Under The Stars und sehe den Mittsommernachtstraum. Die moderne Inszenierung der Australian Shakespeare Company ist akrobatisch, sexy und extrem lustig – am Anfang etwas ungewöhnlich, passt aber letztendlich hervorragend zum Stück. Früh wird es dunkel und große Flughunde drehen ihre Runden durch den Park, was der Aufführung einen gewissen exotischen Touch verleiht. Zahlreiche Ruderer wählen die sportliche Variante der Abendbeschäftigung und ziehen ihre Bahnen auf dem Yarra River, während sich die Restaurants und Bars entlang der Uferpromenade schnell füllen. Donnerstag ist auch in Melbourne der favorisierte Abend der „After-Work-Crowd“ und bei tollem Wetter sind die Lokalitäten am Fluss die erste Wahl. Als ich zu später Stunde noch einige Bilder von der Flinders Street Station mache, störe ich wohl das Revier einiger „Geschäftsleute“. Innerhalb weniger Minuten schnauzen mich gleich vier Gestalten an, weshalb ich hier fotografiere. Und weil ich mir einen perfekten Abend nicht versauen lassen will, trete ich den Heimweg an.

Dienstag, 20. März 2007

Touren mit dem Killer...


Böse Zungen behaupten, es wäre die Sträflingsvergangenheit des Landes, warum es Verbrecher in Australien immer wieder zu Kult Status bringen. Der Straßenräuber Ned Kelly avancierte seit seiner Hinrichtung 1880 sogar zum Nationalhelden. In Melbourne gib es jetzt eine ganz besondere Attraktion: Stadttouren, geführt von Mark Brandon „Chopper“ Read, ehemaliger Auftragskiller der Unterwelt und über einige Dekaden einer der gefürchtetsten Männer des Landes. Er verbrachte die meiste Zeit seines erwachsenen Lebens im Gefängnis, wo er sich, um in die Psychiatrische Abteilung verlegt zu werden (um Racheakten zu entgehen), von einem Freund beide Ohren abschneiden ließ. Laut eigener Angaben könnte er alleine in Melbourne über 30 Orte zeigen, an denen er jemanden nieder geschossen hat. Es wird gemunkelt, die (damals ziemlich korrupte) Polizei sei gar nicht so unglücklich gewesen, jemanden für die „Drecksarbeit“ zu haben. Das erklärt wohl auch, warum so einer nie wegen Mordes angeklagt wurde und lebenslänglich hinter Gittern sitzt. Nachdem bereits einige Bücher über sein Leben auf dem Markt sind, führt er nun Interessierte zu einigen Schauplätzen seines Wirkens und garniert das ganze mit wilden Geschichten. In Internetforen wird heftig über die Tatsache diskutiert, dass ein Schwerstverbrecher aus seinen Taten auch noch Kapital schlagen kann. Die Touren erfreuen sich trotzdem großer Beliebtheit.

Montag, 19. März 2007

Heulende Motoren ...


... habe ich jetzt fünf Tage lang gehört. Ich wohne nur etwa 1km Luftlinie vom Albert Park, der Australischen Formel 1 Strecke, entfernt. Und wenn man schon die „Lärmkulisse“ im Wohnzimmer hat, dann bietet sich ein Besuch an der Rennstrecke geradezu an. Für 99$ sitze ich dann auch kaum drei Meter von der Piste entfernt, trinke kaltes Bier und genieße auch noch den Luxus, eine Großbild Leinwand vor der Nase zu haben. Fast schien es ja, als würde es eine kleine Wettersensation geben, aber nach starkem Regen am Samstag fand das Rennen am Sonntag dann doch bei strahlendem Sonnenschein statt. Trotzdem sind die Besucher nicht so zahlreich, wie es die Veranstalter erhofft hatten. Dabei hatte man auch ein entsprechendes Rahmenprogramm organisiert, mit Rockbands, Flugstaffeln des Militärs und anderen Attraktionen. Vielleicht war das Wetter ja zu schön und die Australier sind lieber an den Strand.

Mittwoch, 14. März 2007

Melbourne


Ich bin in der Hauptstadt Victorias angekommen und habe bei einem Freund Quartier bezogen. Nach ausgiebigen Reisen hat sich Adam vor einigen Jahren wieder in seiner Heimatstadt niedergelassen - und ich habe einen erstklassigen Tourguide. Der Erkundung von Melbournes „Geheimtipps“ in Punkto Bars, Restaurants und Nachtleben steht also nichts mehr im Weg. Außerdem ist „crazy season“, wie Adam scherzt. Ein Event jagt den anderen. Das „Moomba“ Straßenfestival ist gerade vorbei, der Formel-1 Auftakt und die Schwimm-Weltmeisterschaften stehen unmittelbar vor der Tür. In der Stadt treffe ich dann auch prompt auf RTLs F1-Gesicht Kai Ebel. Auch die Internationalen Schwimmstars sind schon vor beginn der Wettbewerbe angereist. Warum sie allerdings nur in Horden auftreten und offensichtlich außer ihren Trainingsanzügen (mit Schriftzug der jeweiligen Nation) keine andere Kleidung dabei haben, bleibt mir ein Rätsel. Vielleicht hilft es ja die einheimischen Mädels zu beeindrucken.

Sonntag, 11. März 2007

Relax Aussie Style ...


Portsea, Mornington Peninsular, Victoria

Ein langes Wochenende und das Wetter ist gnädig gestimmt. Das Thermometer zeigt satte 32°C und die Sonne lockt die Australier an die Strände. Die Mornington Halbinsel liegt am südöstlichen Bereich des Port Phillip und ist traditionell Rückzugsgebiet für gestresste Großstädter aus Melbourne. In der Bucht reihen sich die Badestrände aneinander, Surfer finden an der Küste gute Bedingungen und auch als Weinanbauregion hat man sich hier einen Namen gemacht. Ich persönlich bleibe bei diesen Temperaturen trotzdem lieber bei einem kühlen Blonden im örtlichen Pub – und bin damit nicht alleine. Die Holzbänke auf der großen Terrasse füllen sich schnell und nach kurzer Zeit ist es schwer zu sagen, ob nun die Sonne oder der Bierkonsum für all die glühenden Köpfe verantwortlich ist. Letztendlich aber auch egal ...

Dienstag, 6. März 2007

Ein Erlebnis der besonderen Art ....


... hatten hier zwei Britische Urlauber. Die abgebildete Felsformation am westlichen Teil der Great Ocean Road trägt den schönen Namen „London Bridge“. Mit einer Brücke besteht zwar nicht wirklich viel Ähnlichkeit, was allerdings vor 17 Jahren noch anders war. Durch einen weiteren Felsbogen war das Gebilde mit dem Festland verbunden und man konnte, wie bei einer Brücke, hinüber gehen. Das tat im Januar 1990 auch ein Paar aus England, als der Verbindungsbogen hinter ihnen mit lautem Getöse ins Meer stürzte. Die beiden wurden schließlich per Helikopter und in Anwesenheit unzähliger Fernsehteams gerettet. Eine gerne erzählte Anekdote besagt, dass die beiden verheiratet und auf Liebesurlaub waren. Das pikante daran: sie waren nicht miteinander verheiratet und hatten ihren Partnern von einer Geschäftsreise erzählt. Eine Version, die angesichts der zahlreichen Medienberichte wohl nur schwer aufrecht zu erhalten war. Zu diesem Teil der Geschichte gibt es allerdings keine offiziellen Stellungnahmen und so kann ich den Wahrheitsgehalt nicht unbedingt garantieren.

Montag, 5. März 2007

Kleine Wetterkunde in den Grampians ...


„Wenn man beim Frühstück im Nebel sitzt, dann wird es ein guter Tag zum wandern!“ So die Besitzerin des Caravan Parks. Und zumindest für heute lag sie genau richtig. Nachdem der erste Kaffee des Tages bei trüber Suppe hinunter gekippt wurde, war gegen 9 Uhr die Sonne da. Der Grampians Nationalpark liegt westlich der Goldfelder und bietet gute Bedingungen zum Wandern. Und trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate findet sich hier auch noch ein Wasserfall, der tatsächlich mehr als nur ein plätscherndes Rinnsal ist. Die MacKenzie Falls werden aus einem See gespeist und sind auch dann noch sehenswert, wenn andere Wasserfälle bereits mit akutem Wassermangel zu kämpfen haben. Daran konnten selbst die (gefühlten) Millionen von Fliegen nichts ändern, die allen Wanderern die Tour zur Tortur gemacht haben. Aber sogar das hatte letztendlich seine amüsanten Seiten: Gruppenfotos werden praktisch unmöglich, weil immer mindestens eine Person auf der Jagd nach den schwarzen Quälgeistern die Händen vorm Gesicht hatte.
Weniger amüsant war die Tatsache, dass große Teile des Parks nach den Buschfeuern des Vorjahres immer noch gesperrt waren. Einige der Hauptattraktionen, etwa der „Pinnacle“ Aussichtspunkt, konnten nicht angesteuert werden. Aber die Natur braucht eben etwas Zeit zur Regeneration und auch die Wege, Markierungen und Stege müssen erst erneuert werden. Eine Tatsache, die mir mittlerweile aus anderen Berg- und Buschregionen des Landes wohl bekannt ist.

Sonntag, 4. März 2007

Gold, Gold, Gold ....


Ich habe die Goldfelder Australiens hinter mir gelassen. Beeindruckend wie der Goldrausch vor mehr als 150 Jahren die Ortschaften gepraegt hat. Am deutlichsten ist das heute noch an den imposanten Bauwerken zu sehen. Es gab Zeiten, da musste man sich einfach bücken und die Goldklumpen von der Erde aufheben. Aber auch als das Edelmetall nur noch unter Tage zu finden war erwiesen sich die Goldfelder um Bendigo und Ballarat als äußerst ergiebig. Zwar ist diese Zeit lange vorbei, aber die Gebäude der beiden Orte zeigen deutlich, dass man auch Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht zu sparen brauchte. In Ballarat hat man eine ehemalige Goldgräberstadt nachgebaut – mit original Gebäuden und einigen „Füllbauwerken“. Dutzende von Freiwilligen haben sich ganz im Stil der 1850er gekleidet und spielen hier für die Touristen Goldgraeber, Soldat oder Ladenbesitzer. Und auch wenn das für meinen Geschmack schon stark in Richtung Kitsch geht, so habe ich dort immerhin eines gelernt: vorausgesetzt ich wäre aus purem Gold, dann wäre ich nach dem derzeitigen Kurs 2.254.000 Australische Dollar wert.