Donnerstag, 30. August 2007

Hotspot Cairns


Cairns ist Tourismus pur. Die Restaurants an der Uferpromenade präsentieren ihr Menü in verschiedenen Sprachen und die Speisekarten mit den aufgeklebten Landesfahnen erinnern mich irgendwie an die Urlauberhochburgen in Italien. Auch gibt es dutzende Info-Büros in denen vor allem junge Backpacker Abenteuer aller Art buchen können. Fallschirmspringen, Bungee-Jumping, Forest Flying. Wer sich nicht entscheiden kann, bucht das Komkplettpaket. Tauchkurs? Selbstverständlich! Speedbootfahren, Jetski und Parasailing. Standardprogramm. Da hier oben im Norden das Great Barrier Reef recht nahe an der Küste liegt, gibt es eine ganze Armada an Schiffen, auf denen man das berühmte Riff ansteuern kann. Für mich ist es bereits mein dritter Aufenthalt in der Stadt, aber etwas Kurioses lerne ich trotzdem noch und zwar von Jack. Er wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern seit einigen Wochen auf dem Campingplatz im Ort. „Die Backpacker fliegen einfach heim“, lacht er, „ich muss dann nur das Zeug aufsammeln und es wieder verkaufen“. Der Hintergrund: Cairns ist die letzte Station auf der klassischen Route ab Sydney. Oft verbringen die Urlauber aus Übersee ihre letzte Nacht auf dem Campingplatz und brechen am nächsten Morgen einfach Richtung Flughafen auf - ohne ihr Zelt abzubauen. Der Besitzer des Platzes war darüber wenig erfreut und so kann Jack mit den „Fundsachen“ einen regen Handel getreiben.(Foto: Badelagune Cairns)

Montag, 27. August 2007

Granite Gorge


„Die sind sooooo süüüüüüüß“, haben die Mädels auf dem Campingplatz geschwärmt. Ich muss nun feststellen, dass sie in erster Linie unglaublich fett sind. Von verantwortungslosen Touristen fast zu Tode gefüttert. Die Rede ist von den Rock Wallabies (Felskängurus) in der Granite Gorge, nahe Cairns. Und während ich noch mit Entsetzen auf die Tiere starre, kommen schon neue Besucher und zücken die Papiertüten mit Futter. „Die sind viel zu fett“, sage ich zu einem jungen Pärchen. „Ja, süüüß, nicht wahr“, antwortet sie mir während ihr eines der Tiere aus der Hand frisst. Ich sende noch einen verzweifelten Blick zu ihrem Freund, aber der ist mit Fotografieren beschäftigt und dirigiert seine bessere Hälfte von einer Pose in die nächste. Also ziehe ich ab, schließlich bin ich auch nicht wegen der Wallabies hier, sondern um mir die Granitschlucht anzuschauen. Und es wird doch noch ein lustiger Tag. Die verschiedenen Formationen haben Namen (z.B. Schildkröte), von denen die meisten aber nur mit extrem viel Fantasie nachzuvollziehen sind. Also taufe ich, zusammen mit einigen Engländern, die Gebilde neu. In die Werbebroschüren werden es unsere Kreationen wohl nicht schaffen, zwar fanden wir sie wesentlich treffender, allerdings würden einige sicherlich gegen den guten Geschmack verstoßen.

Donnerstag, 23. August 2007

Kuranda


Australien, das Land der wilden und gefährlichen Tiere. Schlangen, die mit einem Biss so viel Gift absondern, dass davon 100 Männer sterben würden, Krokodile, mit der Bisskraft eines Tyrannosaurus Rex und Quallen, deren Tentakel bei Kontakt mit der Haut unvorstellbare Schmerzen verursachen. Außerdem Natürlich Giftspinnen, Riesenhaie und die äußerst angriffslustigen Helmkasuare. All diese Tiere kann man in diversen Zoos und Tiergärten bestaunen. In Kuranda hingegen hat man einer Spezies ein Gehege gewidmet, die so gar nicht gefährlich, aber trotzdem wunderschön anzuschauen ist. Ich bin im Australian Butterfly Sanctuary und bestaune die farbenfrohen Schmetterlinge. Eigentlich wollte ich hier ein Foto des berühmtesten Vertreters, des blau schimmernden Ulysses präsentieren, leider ließen sich diese Exemplare aber nicht von mir ablichten. Der abgebildete Orange Lacewing ist zwar nicht ganz so prachtvoll, hält aber wenigsten still.

Montag, 20. August 2007

Cowgirls am Cape


Cape York, nahe Cooktown - Ja, auf dem Bild ist tatsächlich ein waschechtes Cowgirl mit ihrem treuen Ross zu sehen. Wenn man mal durch die schier undurchdringlichen Staubwolken hindurch gesehen hat. Julie (auf ihrem Pferd „Lightning“) ist stolz auf ihren Beruf. „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas anderes gemacht,“ erklärt sie mir bei einem Bier, „und ich wollte nie etwas anderes sein“. Aufgewachsen auf einer Cattle-Station im rauen Nordterritorium hat sie früh das Handwerk gelernt. Schon als kleines Mädchen habe sie ihrem Vater bei der Arbeit geholfen, und mit stolz geschwellter Brust fügt sie hinzu: „ich konnte reiten bevor ich richtig laufen konnte.“ Eine Aussage, die ich schon oft gehört habe und die wohl nicht komplett wörtlich zu nehmen ist, aber man weiß was gemeint ist. Und reiten können sie hier alle wie der Teufel. Zwar haben auf den großen Rinderfarmen längst Hubschrauber und Motocross-Maschinen als Hilfsmittel für den Viehtrieb Einzug gehalten, das Pferd ist aber trotzdem noch unverzichtbares Arbeitstier. Und einen weiteren Vorteil habe der Beruf für sie, fügt Julie mit einem Grinsen hinzu: Über Männermangel könne sie sich nicht beklagen.

Samstag, 18. August 2007

Einer Königin würdig!?


Ich habe vielleicht wirklich etwas zu viel erwartet. Die Queen’s Stairs wurden gebaut, als Queen Elizabeth II. zur Zeihundertjahrfeier zu Besuch war. James Cook war einst auf seiner Entdeckungsfahrt auf das Great Barrier Riff gelaufen und hatte mit letzter Kraft diese Bucht angesteuert. Natürlich gab es damals noch nichts außer dichten Busch. Die Queen würdigte mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung des Ortes, denn was wäre wohl gewesen, wenn Kapitän Cook sein Schiff nicht mehr flott gekriegt hätte? Wir wissen es nicht, jedenfalls wäre einiges anders gelaufen. Und weil man die Queen dann doch als eine Art Super-VIP bezeichnen kann, habe ich schon ein etwas opulenteres Bauwerk mit Marmor oder wenigstens einem Geländer erwartet. Statt dessen nur eine unscheinbare Betontreppe mit gerade einmal drei Stufen. Ich kann nur schmunzeln, weil es irgendwie die Mentalität der Leute hier trifft. Willkommend, freundlich und herzlich – aber auch etwas schrullig. "Und wenn der Queen unsere Treppe nicht passt, dann soll sie hingehen ..." Aber das ist nur spekuliert, die genauen Hintergründe kenne ich nicht und so gesagt hat mir das natuerlich auch keiner. Und einen roten Teppich wird man der guten Lizzie schon ausgerollt haben.

Dienstag, 14. August 2007

Eiskalte Schlucht


„Das Wasser ist schweinekalt!“, kreischt Audrey. Noch vor zwei Minuten hatte sie mir erklärt, wie heiß es doch sei und wie sehr sie sich auf die Abkühlung freue. Und im neuen Bikini würde sie besonders gut ausschauen hatte sie mir zugezwinkert. Jetzt zittert sie am ganzen Leib, sieht zwar immer noch gut aus, will aber von Abkühlung nichts mehr wissen. Gerade dass ich das Foto noch schießen kann, bevor sie aus dem Wasser sprintet. Jedenfalls ist der Badeausflug schnell beendet und ich muss meine Jacke spendieren um die fröstelnde Engländerin wieder aufzuwärmen. Die kleinen und einfachen Wanderungen entlang der Schlucht führen an einigen dieser Badestellen vorbei und das Szenario ist fast überall gleich: Freudige Sprünge in die Fluten, gefolgt von lauten Schreien und schallendem Gelächter von den Draussengebliebenen. Es ist halt doch Winter hier und die Temperaturen des Wassers sind mit denen eines österreichischen Gebirgsbachs zu vergleichen. Leider bin ich etwas in Eile und so liefere ich Audrey wieder an der Jugendherberge ab, in der wir uns am Abend zuvor kennen gelernt hatten. Ich selbst will heute noch weiter Richtung Cooktown.

Freitag, 10. August 2007

Grünes Kap


Noch vor einigen Jahren war das Cape Tribulation der nördlichste Punkt in Queensland, den man ohne Allradfahrzeug erreichen konnte. Plötzlich endet die asphaltierte Strasse und geht in eine Schotterpiste über, die nur noch eine kurze Strecke mit einem PKW zu befahren ist (mittlerweile gibt es eine Umgehungsstrasse gen Norden, nach Cooktown). Hier ist man von grünem Regenwald umgeben, der so dicht und undurchdringlich ist, dass wir 40 Minuten den Einstieg zu unserem Wandertrack suchen müssen. Nach etlichem Fragen, finden wir schließlich ein Holzschild im Strassengraben, das nicht nur unglaublich klein, sondern auch noch grün ist, womit es bezüglich des Tarnfaktors mit den Krokodilen im Daintree River konkurrieren kann. Eine Stunde später denke ich, es wäre besser gewesen, wir hätten den Wegweiser gar nicht erst gefunden. Der Mount Sorrow macht seinem Namen dann alle Ehre und bereitet uns einiges an Kummer. Der Weg ist stellenweise nicht als solcher zu erkennen und der Regenwald scheint meinen Vordermann glatt aufzufressen, sobald er sich mehr als drei Schritte von mir entfernt. Die Schwierigkeit besteht darin, alle paar Meter eine Markierung zu finden. Nach sieben abenteuerlichen Stunden stehen wir wieder am Auto und am nächsten Tag heißt es Faulenzen am Strand.

Dienstag, 7. August 2007

Zum Fressen gern


Hier gibt es eine Sache, die fast jeder Besucher bucht: eine Croc-Tour! Die Fahrten auf dem Daintree River sind nicht nur landschaftlich ein Erlebnis, man trifft auch auf die wohl ältesten Bewohner des Australischen Kontinents. Die großen Saltzwasserkrokodile tummelten sich bereits mit den Dinosauriern auf unserem Planeten. So perfekt sind diese Tiere von der Natur ausgestattet, dass ihnen erst der Mensch gefährlich werden konnte. Der hat sie dafür gleich an den Rand des Aussterbens gebracht. Einst stark bejagt, sind die Krokodile heute geschützt und wieder zahlreich vertreten. Genau hinschauen muss man trotzdem, denn die Tiere sind absolute Tarnungskünstler. Keine Welle, kein Kräuseln an der Wasseroberfläche ist zu sehen - und plötzlich ragen diese Zähne aus dem Wasser! "Dieser Knabe hat kein Problem sich eine ganze Kuh zu schnappen", kommentiert unser Guide das Erscheinen des etwa 4m langen Krokodils. "Du wärst maximal ein kleiner Imbiss", flirtet er in Richtung einer zierlichen Touristin. Die findet diesen Kommentar nicht wirklich lustig und rutscht auf ihrer Sitzbank etwas weiter von der Bordwand unseres Bootes weg. Schön zu erkennen auf dem Bild auch der Unterschied zwischen Krokodil und Alligator: nur beim Krokodil liegen die Zähne des Unterkiefers so dominant außerhalb der Schnauze.

Freitag, 3. August 2007

Hoch das Bein ...


Port Douglas ist ein Traum, anders kann man es wirklich nicht sagen. Gut, ich bin hier wieder mit Anna verabredet, was meine Stimmung zusätzlich hebt. Aber auch das Reiseziel an sich ist wunderbar und die zahlreichen Geschichten, die ich in den letzten Wochen von anderen Reisenden gehört habe, waren nicht übertrieben. Strand und Palmen habe ich ja auf meiner Reise schon öfter gesehen, aber hier passen auch noch die „Vibes“, wie man auf Neudeutsch sagen würde. Morgens streckt man beim Yoga die Beine in die Luft, mittags sitzt man in einem der gemütlichen Cafés zum ausgiebigen Brunch und nach einem sonnigen Nachmittag am Strand stürzt man sich ins Nachtleben. Und zu zweit ist es natürlich doppelt schön. „Fast wie im Urlaub“, schmunzelt Anna und ich kann nicht widersprechen – auch wenn es für mich wie immer etwas zu tun gibt. Aber bei dieser Kulisse recherchiert es sich auch angenehmer als anderswo.

Dienstag, 31. Juli 2007

Vogel mit Helm


Mission Beach. Die Missionsstation für Aborigines gibt es nicht mehr, aber für uns Urlauber ist das auch nebensächlich. Wir freuen uns über lange Sandstrände, ausgiebigen Sonnenschein und entspanntes Ambiente. Viel anderes gibt es hier auch heute noch nicht. Einige Unterkünfte, einen kleinen Shop und Cafés. Eine aufregende Begegnung kann man aber mit etwas Glück dann doch machen und auf einen der ungewöhnlichsten Bewohner des Australischen Kontinents treffen: den Helmkasuar. In der Touristeninformation bombardieren zwei Touristen die Angestellte mit Fragen: "Wo können wir einen Kasuar sehen? Wann ist die günstigste Zeit? Wie stehen die Chancen? Ist es so gefährlich wie man oft hört?". Sie werden mit entsprechender Information versorgt und ziehen schnell von dannen. "Immer die gleichen Fragen", schüttelt Alice den Kopf. Seit sechs Monaten arbeite sie nun hier und alle wollen das kuriose Federvieh sehen. "Ich kann Tips geben", erklärt sie, "aber letztendlich gehört eine Portion Glück dazu, denn die Viecher sind ziemlich scheu." Und wie man auf dem Foto sieht, war mir das Glück hold. Und weil die 170cm großen Vögel tatsächlich gefährlich sind, bin ich froh von einem sicheren Steg aus zu fotografieren.

Samstag, 28. Juli 2007

Magnetische Insel


Ich hätte mir rechzeitig ein Auto reservieren sollen. „Alles gebucht“, so die kurze Antwort bei allen Vermietern auf Magnetic Island. Also bleibt nur die Option einen Motorroller zu mieten. Und das kann ja auch ganz lustig sein, ich erinnere mich noch gut an meine frühen Teenagerjahre, als ich mit einem Freund gelegentlich das Moped seines Vaters „geliehen“ habe. Aber dazwischen liegen nicht nur 20 Jahre, sondern auch 40kg und mein 50er Mietroller kann mit der alten Zündapp auch nicht mithalten. Die Berge auf Magnetic Island tun ihr übriges und die Tachonadel fällt teilweise unter die 10km/h Marke. Dafür wird es mir bergab etwas zu schnell, denn weil mein fahrbarer Untersatz meine 100kg Lebendgewicht nicht richtig beschleunigen kann, zweifle ich auch daran, dass er mich zuverlässig abbremsen kann. Aber mit etwas Vorsicht bin ich dann doch ganz gut unterwegs. Und ich stelle mit Freude fest, dass zumindest keine Gefahr durch Tropenstürme besteht. Magnetisch im wissenschaftlichen Sinn ist die Insel natürlich nicht, aber der Name passt trotzdem, denn so schön wie es hier ist, zieht die Insel die Besucher geradezu an.

Freitag, 27. Juli 2007

Hola, qué tal?


Wieder an der Küste, wieder auf dem Backpacker-Trail. Townsville ist eine tolle Stadt, optisch ein echter Hingucker mit Palmenstrand und historischen Gebäuden, außerdem mit legendärem Nachtleben. Der östliche Teil der Flinders Street ist mit Bars und Pubs gespickt, entsprechend wild geht es dort zu und nach den langen, ruhigen Nächten im Outback stürze ich mich mit Freude ins Geschehen. Ich starte mit einem Trupp Dänen in der Brewery, ziehe mit zwei deutschen Sirenen weiter ins Bombay Rock, wo ich wieder einmal feststelle, wie klein die Welt doch eigentlich ist. "Hola, qué tal?", begrüßt mich die dunkeläugige Schönheit und ich glaube meinen Augen nicht zu trauen. Vor mir steht Anna, eine Freundin aus meiner Studienzeit in Barcelona. Sie hat dort in meiner Lieblingskneipe gearbeitet und mir so manchen Absacker serviert. Sie ist mit ihrer Schwester auf Weltreise und für einige Monate in Australien. Also packe ich mein etwas eingerostetes Spanisch aus und verlebe einen der lustigsten Abende, seit Beginn meiner Reise.

Dienstag, 24. Juli 2007

Känguru flieg!


Mitten im Outback Queenslands gibt es dann wieder einiges zu sehen. Die Stockman's Hall of Fame beschäftigt sich in fünf separaten Expositionen mit der Erschließung, Besiedlung und dem Leben im Outback. Und wie der Name schon sagt, wird natürlich auch ein Augenmerk auf die Rolle der Viehzüchter für die wirtschaftliche Entwicklung geworfen. Außerdem befindet sich hier in Longreach das Qantas Museum. Ich traue fast nicht, es hier zu zugeben, aber bislang wusste ich nicht, wofür das Kürzel QANTAS eigentlich steht. Für alle, die es auch nicht wissen: es ist der Queensland And Northern Territory Air Service. Leider hat irgendein Cowboy seine verdreckte Schleuder direkt vor den Turbinen des dort ausgestellten Jumbo-Jets geparkt und ich warte vergeblich, ein gutes Bild schießen zu können. Ganz up to date ist der sowieso nicht mehr, das berühmte Känguru Logo der Fluglinie wurde erst kürzlich etwas aufgepeppt. Aber das Bild der Hall of Fame fängt den Outback-Spirit sowieso besser ein.

Sonntag, 22. Juli 2007

Edle Steine


Es geht wieder ins Landsinnere. Der Capricorn Highway, so benannt, weil dem Wendekreis des Steinbocks folgt, führt von Rockhampton nach Longreach, tief ins Outback von Queensland. Meine erste Station ist die Siedlung Sapphire. Und was wird man dort wohl finden? Richtig, Saphire. Die Edelsteine haben auch hier viele Glücksritter angezogen und zahlreiche Touristen versuchen ihr Glück in einer Stunde Aufenthalt. „Wie angeln, nur anstrengender“, kommentiert Debbie genervt und Marge flüstert mir erklärend zu „sie findet angeln total langweilig!“ Trotzdem durchwühlen beide weiter ihren Kübel mit Steinen und Dreck, denn auch wenn die Suche langweilig ist, etwas finden will dann doch jeder. Und die ausgeschnittenen Zeitungsartikel im Shop beweisen, dass es auch geht. Eine Touristin ist gerade vor einem Jahr über einen 100.000$ Stein gestolpert, auf einem 10minütigem Spatziergang am Straßenrand. Und so suchen alle fleißig weiter. Im Notfall kann man es dann ja auch machen wie beim Angeln: Den Stein (Fisch) im Laden kaufen und behaupten, man hätte ihn selbst gefunden (gefangen).

Freitag, 20. Juli 2007

Es lebe das Rindvieh!


Es ist nicht zu übersehen, hier geht es im großen Stil um das Rind. Die erste Figur eines Bullen thront im Kreisverkehr am Ortseingang und im ganzen Ort sind etliche dieser Abbildungen aufgestellt. Kein Wunder also, dass hier Steak ganz oben auf der Speisekarte steht. Vegetarier dürften hier nur mitleidige Blicke ernten. Aber nicht nur für den Gaumen, auch für die Augen hat die Stadt am Fitzroy River einiges zu bieten. In der Touristeninformation besorge ich mir eine Broschüre für den City-Walk, der an den zahlreichen historischen Gebäuden vorbei führt und ausführlich die Geschichte der Häuser und der Stadt erzählt. Schnell ist der Tag vorbei und ich belohne mich für die marschierten Kilometer mit einem kühlen Bier und ... natürlich mit einem saftigen Steak.

Dienstag, 17. Juli 2007

Ente, aber kein 2CV


Das Town of 1770 ist der erste Ort auf meiner Reise nach Norden, von dem aus man das Great Barrier Reef ansteuern kann. Die südlichsten Ausläufer des größten Riffs der Welt sind zwar hier noch weit auf See, aber Lady Musgrave und Lady Elliott Islands sind einen Tagestrip wert. Tauchschulen schippern fast täglich begierige Schüler hinaus um den ungeheueren Fischreichtum und die bunte Korallenwelt zu bestaunen, aber auch zum Schnorcheln lohnt sich die Investition. Da die Inseln nicht von einem äußeren Riffgürtel geschützt sind, kann die Reise etwas stürmisch werden. Ein spaßiger Zeitvertreib sind auch die Fahrten in den Army-Ducks. Ausgemusterte Amphibienfahrzeuge des Militärs haben einen farbenfrohen Anstrich bekommen und für einige Dollar kann man sich zum Sonnenuntergang über die Sandbänke und Kanäle der Flussmündung chauffieren lassen.

Sonntag, 15. Juli 2007

Bundy in der Blutbahn


Bundaberg ist vor allem für eines bekannt: Rum. „Bundy-Rum“ gibt es in Australischen Kneipen in verschiedensten Versionen, der Klassiker, Bundy-Cola, kommt sogar aus dem Zapfhahn. Und wer daheim kein Fass unterbringen kann, der kauft die Mischung in mundgerechten 0.33er Dosen. Der Erfolg ist sicherlich auch dem erstklassigen Marketing zu verdanken. Das Maskottchen und Aushängeschild ist ein lebensgroßer Plüscheisbär, der in den Werbespots nicht nur gerne Bundy-Rum trinkt, sondern auch sprechen kann und mehr Frauen schwach macht als James Bond. Ob das auch im wirklichen Leben funktioniert, weiß ich nicht. Haare auf der Brust hätte ich auch. Die in der Brennerei ausgestellte Version des Bären wurde von begeisterten Fans fast tot gekuschelt und steht deshalb mittlerweile hinter Glas. Macht aber nichts, im Shop kann man von der Unterhose bis zum Winteranorak entsprechende Merchandiseartikel kaufen.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Die Jagd geht weiter ...



...allerdings nur mit der Kamera. Besonders erfolgreich bin ich nicht, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Walsaison erst noch bevor steht, bin ich froh, überhaupt einige Exemplare der Meeressäuger zu sehen. Der Skipper unseres Katamarans hat es heute wirklich nicht leicht, die einen beschweren sich, dass er das Schiff nicht ideal stellt um Fotos zu schießen, die anderen übergeben sich seit Stunden und betteln förmlich um die stabilste Lage. Es ist wirklich ein unruhiger Tag und ich bin dankbar, dass ich ziemlich seefest bin. Also genieße ich die sonnigen Stunden mit einigen kühlen Bieren und versuche, gute Bilder zu schießen. Was sich einmal mehr als extrem schwierig erweist. 104$ habe ich für die Halbtagesfahrt bezahlt, aber wenn man die majestätischen Wale vorüberziehen sieht, ist das schon beeindruckend und jeden Cent wert. Einige der Teilnehmer sehen das sicher anders. Wer will schon über 100$ bezahlen, nur damit einem schlecht wird, das kann man in der Kneipe angenehmer haben. Die Wale jedenfalls fühlen sich in der Bucht von Hervey Bay pudelwohl, so wohl, dass sie im August so zahlreich hier sind, dass die Veranstalter eine Sichtungsgarantie geben. Die neugierigen Meeresbewohner kommen dann zum Teil bis auf wenige Meter an die Schiffe heran und begutachten ihrerseits die staunenden Menschenmassen.

Dienstag, 10. Juli 2007

Noosa Surprise


Noosa ist auch einer dieser Orte, bei dem man kaum etwas falsch machen kann. Im kleinen Nationalpark gibt es schattige Spatzierwege, der Strand lädt geradezu zum Sonnenbaden ein und am Flussdelta kann man hervorragend fischen. Letzteres wissen auch die Pelikane und warten geduldig auf die Überreste, die ihnen von den Anglern zugeworfen werden. Lustig ist es auch auf dem Campingplatz. Backpacker, die ihre Reise in Brisbane begonnen haben, packen hier oft erstmals ihre Campingutensilien aus. Und sind oft gewaltig überrascht, was im Kofferraum des günstig erstandenen Autos so alles zum Vorschein kommt. Die beiden Engländer nebenan fluchen jedenfalls ganz gewaltig, als sie feststellen, dass sich der Vorbesitzer ihres Zeltes ganz offensichtlich darin übergeben hatte. Anstatt die Spuren zu beseitigen, hatte er das Zelt einfach abgebaut, luftdicht in einen Müllsack geknotet und dann in die Packtasche gesteckt.

Sonntag, 8. Juli 2007

Busy in Brissie


Nach dem entspannten Inselrefugium geht es wieder in die große Stadt. Und damit man auch hier der Australier (und Urlauber) liebstes Tier nicht missen muss, hat ein mitfühlender Künstler einige Eisen-Kängurus aufgestellt. Eigentlich bin ich nicht unbedingt ein großer Freund der Großstadt, aber nach etlichen Wochen in ländlichen und bisweilen sehr abgelegenen Gegenden freue ich mich auch wieder auf etwas Trubel. Natürlich gibt es hier auch viel zu sehen, entdecken und letztendlich auch zu recherchieren. Also miete ich mich direkt im Stadtzentrum ein und starte meinen Aufenthalt mit einem Spatziergang entlang der SouthBank, dem südlichen Flussufer. Dort findet heute ein Treffen der BMW Freunde statt, wobei überraschender Weise fast ausschließlich Fahrzeuge der 6er Reihe ausgestellt sind. Aber als waschechter Bayer freue ich mich natürlich über die Begeisterung, die unsere weiß-blauen Flitzer auch hier hervorrufen.

Freitag, 6. Juli 2007

On Island-Time


Tom sitzt vor seinem Wohnwagen, die vollen Bierdosen links von sich in der Kühlbox, die leeren Dosen rechts auf dem Boden. „Du bist jetzt auf Straddie-Zeit“, grinst er und zerknüllt eine leere Dose. Ich verstehe was er meint. Ich bin auf North Stradbroke Island, zu Besuch bei meinem Freund Hendo, der hier ein Ferienhaus besitzt. „Die Uhren auf der Insel ticken anders“, hat er mir gleich am ersten Tag erklärt. Und ich wundere mich mittlerweile über nichts mehr. Ich habe bereits „Big Phil“ getroffen, einen 220kg-Mann, mit dem lautesten Lachen in ganz Australien. „Bandit“ verdankt seinen Spitznamen der Tatsache, dass ihm der rechte Arm fehlt. Als er mir beim ersten Treffen die Linke zum Gruß entgegen streckte, wusste ich nicht, ob ich jetzt auch die linke, oder doch die rechte Hand reiche. Lenny ist ehemaliger Jockey, ganze 148cm groß und laut eigener Aussage „der beste Kerl, den ich jemals treffen werde“. Alle auf Straddie-Zeit. Heute holen wir Tom ab, um am Strand nach Pippies zu graben. Die eignen sich hervorragend als Köder zum Angeln und schmecken auch direkt vom Grill. Aber heute ist der Hunger größer als die Geduld, wir kaufen unseren „Fang“ im Laden und ich verputze unseren Anteil der Pippies als Vorspeise.

Dienstag, 3. Juli 2007

Surfers Paradise ...


... oder vielleicht eher Immobilienmaklers Paradise? Wenn man von Byron Bay aus anfährt fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Zuerst taucht diese enorme Skyline vor einem auf und vor Ort treffe ich auf zwei Blondinen in goldfarbenen Bikinis, die ihre durchaus ansehnliche Skyline für Fotos mit Touristen zu recht rücken. „Surfers ist Vegas“, hört man oft. Etwas übertrieben, wenn man mich fragt, aber es lässt sich auch nicht abstreiten, dass hier Unterhaltung, Glitzerwelt und Rekorde eine wichtige Rolle spielen. Hier gibt es Seaworld, das höchste Wohngebäude der Welt und ein "solides" Aufkommen an professionellen Damen, wie mir im Irish Pub versichert wird. Was jetzt allerdings genau dafür verantwortlich ist, dass so viele Leute hier her ziehen wollen, ist mir nicht bekannt. Das Interesse an den Immobilien ist jedenfalls groß, wie man unschwer an den zahlreichen Maklerbüros erkennen kann. Und wo sonst kann man schon vom neuen Appartment im 40. Stock mit dem Lift direkt an den Strand fahren?

Samstag, 30. Juni 2007

Beautiful Byron Bay


Byron ist Kult und quer durch alle Schichten, Altersgruppen und Geldbeutel besuchen alle den kleinen Küstenort. Die jungen Backpacker, weil Byron einfach "cool" ist, der Rest, weil es in Byron "beautiful" ist. Letztendlich ist man sich also einig. Auch hier regiert eine etwas alternative Kultur, aber die Alternativen hier haben schon lange bemerkt, dass es sich mit etwas Geld in der Tasche auch als Alternativer besser lebt. Also findet man schöne Restaurants, gehobene Unterkünfte und die Aussteiger von einst haben ihre Lebensweise lukrativ an den Touristen gebracht. Und so gefällt mir das, sehr entspannt und angenehm für Leute von 16 bis 60 (und alle drum herum). Ein Highlight ist sicherlich die kurze Wanderung zum östlichsten Punkt des Australischen Festlandes, wo ich mich einer Truppe kreischender Damen anschliesse, um einige Buckelwale zu bestaunen, die gerade auf ihrer Wanderschaft gen Norden ziehen. Auf dem Rueckweg treffe ich auf Maggie aus Neuseeland. Seit Jahren komme sie regelmaessig hier her. Zum gemeinsamen Abendessen geht es dann in eine gemütliche Tapas-Bar und anschließend ins Beach-Hotel. Und bevor sie hier Falsches von mir denken: in Australien ist "Hotel" auch eine Bezeichnung fuer Kneipe oder Bar.

Dienstag, 26. Juni 2007

Lost in Nimbin


Einen kleinen Eintrag zum Thema „skurrile Gestalten“ habe ich ja bereits vor einigen Wochen gemacht, aber hier könnte ich direkt anknüpfen. Das kleine Bergdorf Nimbin ist in erster Linie für eines bekannt: Dope. Hier trifft man auf den einen oder anderen „Hängengebliebenen“ und ich meine das nicht nur was die Lokalität betrifft. Der Ort steht seit Jahrzehnten für alternatives Leben und entsprechend hoch ist die Dichte von Dreadlocks, Batikhemden und Stoffumhängetaschen. Selbst die Polizei scheint mit zu spielen und eine sehr entspannte Drogenpolitik lockt vor allem junge Backpacker an. Mitten auf der Hauptstrasse riecht es nach Marihuana und man sieht etliche Spatziergänger, die gemütlich mit einem Joint oder einem Pfeifchen im Mundwinkel an den bunt bemalten Geschäftsfassaden vorbei schlendern. Eigentlich eine entspannte Szenerie, bis ein ziemlich gammliger und stinkender Mittvierziger direkt vor mir aus den Büschen springt, mich mit verwirrtem Blick anstarrt und einen Singsang über Teilen und gemeinsame finanzielle Mittel anstimmt. Er will Geld, ich gebe nichts, worauf er mir noch etliches unverständliches Zeugs hinterher schreit. Ich limitiere meinen Aufenthalt auf das Nötigste und bin nach gut zwei Stunden wieder auf Achse. Freunde der alternativen Kultur können dem Ort vielleicht etwas mehr abgewinnen und ich habe genügend Leute getroffen, die Nimbin als „super-cool“ preisen. Ich persönlich bin froh, wieder weg zu sein.

Sonntag, 24. Juni 2007

Wo ist der Fehler?


Alte Autos sieht man viele in Australien. Meist macht man sich nicht die Mühe sie auf einen Schrottplatz zu bringen, sondern lässt sie einfach stehen um dann vielleicht noch Ersatzteile auszubauen. Manchmal werden die ausgedienten Gefährte aber auch umfunktioniert und verbringen den Rest ihrer Tage als Zielscheibe für besoffene Feierabendschützen (ein Schicksal, das sie mit vielen Straßenschildern teilen), als Kunstwerk oder, wie hier, als eine Art Blumentopf. Einst sicherlich der Stolz ihrer Besitzer, sind die Kandidaten auf dem Bild dekorativ neben der Strasse aufgestellt und mehr oder weniger gelungen in die Natur eingebettet. Auf der Ladefläche der türkisfarbenen Ute prunkt ein roter Busch, aus dem Dach des roten PKW wächst ein Baum. Mir gefällt es, für meinen fahrbaren Untersatz wäre ein derartiger Schritt aber definitiv noch zu früh.

Freitag, 22. Juni 2007

Betonmischer, Bohrer, Bier


Es ist wirklich eine verdammt lange Fahrt, nach Lightning Ridge. Man merkt, dass man in einsamen Gegenden ankommt, wenn einen entgegenkommende Fahrer unbekannter Weise grüßen. „Was willst Du denn da?“, fragt mich ein Lastwagenfahrer am Roadhouse. Und so genau weiß ich das selber nicht – abgesehen davon, dass ich den Ort für meinen Reiseführer unter die Lupe nehmen will. Nur so viel ist mir bekannt: die berühmten und äußerst kostbaren schwarzen Opale findet man dort, der Löwenanteil der weltweiten Förderung kommt aus Lightning Ridge. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man hier auf das trifft, was in Australien gemeinhin als „Aussie Battler“ bezeichnet wird, den Kämpfer und Glücksritter, den auch die schwierigsten Bedingungen nicht abschrecken können und bei dem es am Schluss doch nur mit Mühe zum Leben reicht. Reich werden hier die Wenigsten, der Großteil investiert die geringen Einkünfte um sich abends im Pub den Staub aus den Zähnen zu spülen. Und wer will, der kann auch selbst sein Glück versuchen und für einige Dollar einen Eimer Material zum durchsuchen erstehen. Das spare ich mir allerdings.

Dienstag, 19. Juni 2007

Die Kelten kommen


Der Angestellte in der Touristeninformation ist Aboriginal. Ich habe nur das Offensichtliche ausgesprochen, aber meine scherzhafte Bemerkung, dass er sicherlich keine keltischen Wurzeln habe, wurde nur mit einem bösen Blick kommentiert. Ich bin doch etwas beschämt und nehme erst einmal den ganzen Krimskrams, den es hier zu kaufen gibt, unter die Lupe. An alle, die mir jetzt fehlendes Feingefühl vorwerfen, sei gesagt, dass der gute Mann aber auch wirklich gar nicht in die dortige Umgebung aus Schottenkaros und Fidelmusik gepasst hat. Ich bin in Glen Innes, dem „Celtic Town“, zurück auf dem New England Plateau. Es gibt sogar einen eigens angelegten Steinkreis und in dem kleinen Café daneben hängen Bilder von Männern in prunkvollen Uniformen und Kilts. Dazu auch hier Musik, die man zwangsläufig mit den nebligen Highlands der Britischen Inseln in Verbindung bringt. Wie so oft in Australien haben sich die Einwanderer ein Stück Heimat fern der Heimat geschaffen. Vor einigen Jahren habe ich gar einmal gelesen, dass Tradition und Sprache am ehesten in diesen Refugien erhalten bleiben, weil man sie hier noch intensiv pflegt, während sie in den Ursprungsländern immer mehr durch äußere Einflüsse überholt und vergessen werden. Was übrigens auch für unsere Muttersprache gilt. Unterhalten Sie sich mit einem Auswanderer, der Deutschland in den 50ern den Rücken kehrte und Sie hören, was ich meine.

Sonntag, 17. Juni 2007

Oh-Oh-Oh Banana Joe


Ich bin wieder an der Küste und irgendwie erinnere ich mich in letzter Zeit immer an Filme bzw. Fernsehserien. Nach Bonanza kommt mir jetzt der alte Schinken mit Bud Spencer in den Sinn. Wahrscheinlich ist das schon der Entzug, denn seit September habe ich kaum mehr als 10 Stunden ferngesehen, von den Sportübertragungen im Pub mal abgesehen. Aber derartiger Klamauk könnte auch gut in Coffs Harbour spielen. Hier gibt es die „Big Banana“, groß genug um durch zu marschieren, warum also nicht einen „Big Bud“? Letztendlich finde ich das gelbe Plastikungetüm aberf trotz seiner Bekanntheit nicht halb so kurios, wie das Gebäude, das gleich neben der Plantage steht. Was Sie auf dem Bild hinter den Bananenblättern sehen, ist tatsächlich eine Schneehalle, in der man Ski- oder Schlitten fahren kann. Mir ist jetzt nicht genau bekannt, welche Temperaturen man benötigt, um erfolgreich Bananen anzubauen, aber zwischen Schnee und Frucht dürften wohl mehr als 20°C liegen. Angesichts dieses Energieaufwandes würden dem guten Bud bestimmt die Barthaare zu Berge stehen.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Saukalt ...


... ist es geworden. Auf dem New England Plateau sinken die Temperaturen jetzt schon gewaltig, mein Schlafsack ist so dünn, dass man ihn (fast) in der Hosentasche transportieren kann und so ziehe ich vom Kombi ins Motel. Aber es ist auch Winter hier in Australien, was will man also erwarten. Immerhin, tagsüber wärmt die Sonne und die Szenerie erinnert mich entfernt an den Herbst in Deutschland. Vielleicht liegt es auch an den niedrigen Temperaturen, dass ich hier auf keine ausländischen Touristen treffe, denn die pilgern um diese Jahreszeit alle in den tropischen Norden des Landes. Aber ich genieße es, die Ortschaften in ihrer Ursprünglichkeit zu erleben: ruhig, entspannt und herbstlich schön.

Montag, 11. Juni 2007

Auf die Pferde, Hoss!


Auf den langen Fahrten in Australien ist Musik die beste Unterhaltung. Während viele Backpacker CD- und MP3-Player in ihren Autos installieren um ihre Lieblingsmusik hören zu können, bin ich auf Reisen ein absoluter Radio Fan. Die vielen lokalen Sender stimmen einen schon lange bevor man ankommt auf die jeweilige Region ein. Und wenn man Richtung Tamworth fährt, heißt das: Country. Das selbsternannte „Nashville Australiens“ beherbergt das größte Musikfestival des Landes und auch die größte Gitarre. Die „Big Golden Guitar“ ist 12 Meter hoch und wurde von Musiklegende Slim Dusty (der „dünne Staubige“; leider bereits verstorben, aber für viele Fans der Country-Gott) eingeweiht. Die Klampfe steht derzeit zum Verkauf, für schlappe 1.5 Millionen Dollar kann man das komplette Touristenzentrum mit dem dazugehörigen Wahrzeichen sein Eigen nennen. Soviel habe ich gerade nicht übrig, aber für ein Konzert soll es dann schon noch reichen. Irgendwo zwischen Waffenladen, Westernshop und Tonstudio stehe ich dann abends in einer Kneipe und wippe zum Countrysound. In Turnschuhen und T-shirt komme ich mir fast schon etwas verloren vor, zwischen den Cowboys und –girls, aber ich werde (wie immer in Australien) freundlich aufgenommen und ich glaube, eine kleine Schwäche für Frauen mit Hut entwickelt zu haben.

Freitag, 8. Juni 2007

Hinterland NSW


“Der Matriarch“, grinst mich Frank an und alle Insassen lachen lauthals. „Ihr gehört das alles hier“, fügt Ben hinzu und zeigt von der Rückbank aus zwischen Frank und mir auf das vor uns liegende Tal. Wir sind auf einem Ausflug ins Hinterland, in die Gegend von Gloucester. Er wolle nur „kurz“ einige alte Freunde besuchen hatte Frank gesagt und jeder dieser Freunde hatte dann auch noch Zeit uns zu begleiten. Also sitze ich nun neben Frank auf dem Beifahrersitz, Ben, Gene und Tommy haben sich auf den Rücksitz gequetscht. Sie scheinen es lustig zu finden, dass uns gerade eine weißhaarige Frau in ihrem Auto fast von der Strasse gefegt hat. Gut, gegen unseren riesigen Geländewagen hätte ihre Limousine sicherlich alt ausgesehen, trotzdem: ich habe einen gewaltigen Schreck bekommen. Aber ich erfahre immerhin, dass dieser rasanten Dame das ganze Tal gehört und somit auch die Piste auf der wir gerade fahren. Ihr einziger Sohn sei einer der begehrtesten Junggesellen der Gegend gewesen, habe jetzt aber seine Cousine geheiratet. „Dritten oder vierten Grades“, klärt mich Tommy auf, „So bleibt es immerhin in der Familie“. Schallendes Gelächter erfüllt das Auto und die nächsten Stunden jagt eine Geschichte die andere. Gegen Abend wird obligatorisch das Pub angesteuert und ich kann kaum so viel trinken, wie mir meine neuen Bekannten ausgeben wollen. Und weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will, schlafe ich in dieser Nacht besonders gut.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Team Teebeutel


Ich besuche meinen guten alten Freund Frank in Forster. Vor einigen Jahren haben wir uns auf einem Segeltörn kennen gelernt und jetzt genieße ich seine Gastfreundschaft. Die Rollenverteilung in seinem Haushalt ist noch klassisch: seine Frau kocht und wir sitzen auf der Veranda und trinken Bier. Am nächsten Morgen erhalte ich sogar die temporäre Mitgliedschaft in der Vereinigung der „Teabaggers“. Wenn ich jetzt sage, dass Frank mit 60 Jahren der Jüngste ist, erklärt das vielleicht auch meine Anfangszeilen. Alle anderen Mitglieder sind mehr als doppelt so alt als ich. Jeden Morgen treffen sie sich punkt halb sieben am Strand, um dann genau eine halbe Stunde im Meer schwimmen zu gehen. „Eigentlich schwimmen wir nicht wirklich, sondern hängen nur wie Teebeutel im Wasser“, erklärt mir Ron, 73 Jahre und Vereinsvorsitzender, „daher auch der Name“. Jedenfalls ist es extrem lustig, es werden Witze gemacht und alle Anwesenden kräftig auf die Schippe genommen. Einige der Senioren setzten aber auch voll auf den Fitnessaspekt. Wie Neil (Bild), der mit stolzen 78 Jahren noch täglich seinen Bahnen im Salzwasserpool zieht. Entsprechend fit sieht er auch noch aus.

Montag, 4. Juni 2007

Turbo vs. Trawler


„Das ist mit AAAAbstand das Geeiiilste was wir hier gemacht haben!!!! Sowas von krassomat!!“ Markus und Holger fuchteln wie wild mit den Händen vor meinem Gesicht. „Sooo steil ging das bergab“, erklärt Holger und zeigt mit seinem Arm einen fast senkrechten Winkel, „da hilft auch Bremsen nichts mehr“. „Und unten dann wieder Vollgas und in die Kurve!“, Markus reißt einen imaginären Lenker herum und verzieht das Gesicht als würden gerade 4G auf ihn einwirken. Die beiden sind frisch gebackene Abiturienten aus Deutschland und berichten mir gerade von ihrem Quad-Erlebnis in den Sanddünen nahe Port Stephens. Für etwa 80$ pro Nase kann man hier auf den 4-rädrigen Geschossen durch die Gegend brettern. So richtig verstanden habe ich das alles aber auch nur, weil ich vor einiger Zeit das „So-spricht-unsere-Jugend-Lexikon“ bei Bild-Online gelesen habe. Und ich bin gerade mal Anfang 30. Ich verabschiede mich relativ schnell und verbringe den Nachmittag im Hafen, wo eine ganze Armada von Fish-Trawlern auf ihren Einsatz warten. Der ideale Ort um in Ruhe einige Seiten zu schreiben. Ich bin ja auch nicht (nur) zum Spaß hier.

Samstag, 2. Juni 2007

On The Road Again


So toll Sydney auch ist, ich bin schließlich hier um einen Reiseführer zu recherchieren und deshalb geht es wieder auf die Strasse. Und ich hätte den falschen Beruf, wenn ich mich darüber nicht unglaublich freuen würde. Gut 15.000km habe ich noch vor mir und das beste daran: Es geht in den warmen Norden des Landes. In Sydney ist es mittlerweile empfindlich kalt geworden und die Temperaturen im sonnigen Queensland sorgen auch im australischen Winter dafür, dass braungebrannte Waden aus der kurzen Hose ragen. Mein Kombi hat sich bereits auf der südlichen Etappe bewährt. Knapp 20.000km hat er ohne zu murren abgespult und so manche Nacht habe ich darin verbracht. Letztere Tatsache hat meine Mitbewohnerinnen dazu veranlasst, dem Auto diverse Namen zu geben, die ich allerdings hier nicht wiederholen kann. Ob sie da aus Erfahrung sprechen? Wie auch immer, jedenfalls schläft es sich auch auf den eigenen vier Rädern ganz gut, wenn man schon keine eigenen vier Wände hat. Wie auf dem Bild zu sehen, habe ich in der ersten Nacht sogar die Luxusvariante mit Stromanschluss. Und so ungemütlich sieht es doch gar nicht aus.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Neue Perspektive


Die Hafenbrücke ist mein absolutes Lieblingsbauwerk in Sydney. Der Sydney Tower ist spektakulärer, das Opernhaus extravaganter, aber die Brücke ist einfach klassisch schön. Und wenn Sie jetzt denken, dass mein heutiges Bild nicht unbedingt außergewöhnlich ist, dann stimmt das vielleicht sogar. Es gibt bestimmt bessere Winkel um den Stahlgiganten in Szene zu setzen, aber heute bin ich erstmals zum Sonnenuntergang in der Watsons Bay, nahe des South Head, und so bin ich ganz begeistert von der neuen Perspektive auf „meine“ Brücke. Da kann man schon verstehen, dass die Wohngegend hier zu den teuersten in Sydney gehört. Weltberühmte Aussies wie Nicole Kidman und Russel Crowe sollen ganz in der Nähe ihre bescheidenen Hütten stehen haben. Die müssen dann nicht wie ich auf einer betonierten Tribüne auf einem Sportplatz stehen, sondern können dieses Spektakel wahrscheinlich sogar von der Badewanne aus genießen. Aber da eine Einladung von Nicole eher unwahrscheinlich ist, bin ich für heute auch mit meinem Standort ganz glücklich.

Montag, 28. Mai 2007

Sydney Sunday


Ich besuche meinen ehemaligen Brötchengeber, dem ich meine erste Arbeitsstelle in Australien zu verdanken habe. Ein guter Job, als Operations Manager im Yachthafen und für eine Landratte aus Bayern ziemlich spannend. Meine Aufgabe war es, die Motorjachten unserer Kunden jederzeit Einsatzbereit zu halten. Und dazu gehören natürlich auch entsprechende Testfahrten. Nur zu gerne begleite ich meine Kollegen von damals auf die kurzen Runs im nördlichen Hafenbecken. Aus Versicherungsgründen darf ich heute zwar nicht ans Steuer, aber so kann ich problemlos die Kamera zücken und meinen ehemaligen Arbeitsplatz dokumentieren. Wie fast immer ist alles in Ordnung, jetzt heißt es nur noch voll tanken und die Kunden können kommen. Die Boots-Branche ist massiv am wachsen, das Geld sitzt bei den Sydneysidern locker, wenn es um die Vergnügungen auf dem Wasser geht. Papa hat zwar meist nur am Sonntag Zeit, denn die Millionen für ein entsprechendes Wasserspielzeug wollen ja auch erst einmal verdient werden. Dafür wird dann auch schon einmal ein Skipper angeheuert, der während der Woche die Gattin mit Freundinnen zum Kaffeekränzchen chauffiert, oder die Kinder auf eine kleine Spaßfahrt mit nimmt.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Der letzte Schrei?


Oder doch eher zum Schreien? Es gibt schon sonderbare Gestalten auf dieser Welt. Logischerweise auch in Australien. Man trifft hier auf Aussteiger, Althippies, Ökos und Rednecks, Menschen zwischen ausgeflippt und abgestürzt. Warum der gute Mann auf dem Bild einen kurzärmeligen Angorapulli mit Schleifchen trägt, ist mir immer noch ein Rätsel. Im Pub scheint sich jedenfalls niemand daran zu stören, wie ein ganz „normaler“ Gast steht er am Tresen, trink Bier, unterhält sich und lacht. Und bereitwillig posiert er für ein Foto, das wahrscheinlich nicht entstanden wäre, wenn ich selbst nicht auch schon einige Biere intus gehabt hätte. Ich hake sein Erscheinen als einmaligen modischen Ausrutscher ab, wahrscheinlich im Zuge einer verlorenen Wette. Aber nur wenige Tage später unterhalte ich mich mit einer Freundin über eben dieses hier angesprochene Thema und sie erzählt mir lachend von einem Kerl in Damenpullis. Seit Jahren laufe der so herum, bestätigt sie. Nun gut, wem es gefällt.

Montag, 21. Mai 2007

Kein Foto ohne mich!


In Sydney kosten die Grundstücke am Wasser oft genug im zweistelligen Millionenbereich und sind trotzdem heiß begehrt. Im Taronga Zoo genießen einige der tierischen Bewohner den „multi-million dollar view“ ganz um sonst. Nun gut, dafür sind sie eingesperrt. Die Giraffe interessiert sich aber weniger für den Blick auf den Hafen, als für - ich gebe es zu - die Pflegerin, die neben mir steht und mit einer Karotte wedelt. Trotzdem war ein ganzes Stück Geduld nötig um dieses Bild zu schießen. Nicht zuletzt deshalb, weil etliche dutzend Touristen genau diesen Schnappschuss haben wollen – noch zusätzlich mit der Freundin, den Kindern oder Tante Betty im Vordergrund. Und als erwachsener Mann kann ich ja schlecht kleine Kinder zur Seite schieben. Aber die nette Pflegerin zückt für mich noch einmal ihre Geheimwaffe. Mit Karotten könne man die langhalsigen Diven dann doch immer an den richtigen Spot locken, lacht sie. Leider müsse man aber derlei Zusatzfütterungen beschränkt halten. Und damit es unter den Vierbeinern keine Eifersüchteleien gibt, wird derzeit auch eine solche Luxusunterkunft für die Elefanten gebaut.

Freitag, 18. Mai 2007

Surf's Up ...


Der Winter steht vor der Tür und die Surfer freuen sich schon auf die Wellen, die die Tiefdruckgebiete an die Küste senden werden. So auch mein Freund Andy. Er ist einer dieser Fanatiker, die ihr ganzes Leben nach dem Ritt auf dem Brett ausrichten. Erst vor kurzem hat er einen gut bezahlten Job abgelehnt, weil er da zu früh am Morgen anfangen hätte müssen und keine Zeit für seinen „good morning surf“ gehabt hätte. Er habe da nicht lange nachdenken müssen, er würde sich einfach nicht wohl fühlen, wenn er nicht jeden Tag aufs Wasser käme, so sein Kommentar. Und wer jetzt an einen dieser wilden, jungen Mittzwanziger denkt, liegt falsch. Der Mann ist 39 und Familienvater. Aber hier in Australien ist das nicht ungewöhnlich. Wer morgens um sechs an den Strand geht, sieht oft dutzende Surfer auf dem Wasser. Auf dem Parkplatz keine alten Rostlauben, sondern glänzende Audis und Holdens. Nicht selten sieht man Männer jenseits der 40, die nach der morgendlichen Surf-Session direkt vom Surf- in den Businessanzug wechseln und dann ins Büro brausen. Und, wie auf dem Bild zu sehen ist, sind die Wellen schon lange nicht mehr männliches Hoheitsgebiet ... Ich habe gesehen, was die Dame unter ihrem Neopren trägt und kann nur sagen: Gott sei Dank!

Dienstag, 15. Mai 2007

Transport ... Sydney Style


Ich wohne bei meiner Freundin an den Northern Beaches, für mich nicht nur deshalb die schönste Gegend von Sydney. Hier geht alles etwas ruhiger zu als in Bondi, Paddington oder anderen In-Vierteln. Und wie der Name schon sagt, es reiht sich ein Strand an den nächsten. Eine Fahrt ins Stadtzentrum beinhaltet auch immer eine Fahrt auf der Fähre und für mich gibt es nichts Aufregenderes, als nach Monaten oder gar Jahren wieder auf eines der grün-gelben Schiffe zu steigen. Eine der alten Fähren muss man nehmen, es gibt moderne Jet-Cat Boote, die nur 15 Minuten für die Fahrt zum CBD benötigen, aber die kann man als Urlauber getrost den zahlreichen Pendlern überlassen, die jeden Morgen ins Büro müssen. Die großen, alten und etwas behäbigen Fähren, die Freshwater oder die Narrabeen, sind genau richtig für die 30minütige Fahrt. Bei schönem Wetter auf den Freiluftdecks, mit einem frisch gebrühten Kaffee aus dem schiffseigenen Kiosk. Man verlässt Manly und fährt zuerst auf die Ausfahrt des riesigen Hafens zu, dann, nach etwa 10 Minuten, biegt der Kapitän um den Middle Head und nach und nach tauchen Skyline, Opernhaus und Hafenbrücke vor einem auf. Und auch obwohl ich diese Fahrt bestimmt schon 100 Mal unternommen habe, zücke ich vor Begeisterung trotzdem noch fast immer den Fotoapparat.

Sonntag, 13. Mai 2007

Harbour City


Ich bin in Sydney. Wieder. Hier habe ich vor etlichen Monaten meine Recherchen für den Reiseführer begonnen, von hier aus bin ich entlang der Küste Richtung Victoria gereist. Bevor ich nun in den kommenden Monaten die „Nordschleife“ in NSW und Queensland bereise, werde ich einige Wochen in Sydney bleiben und meine Arbeit in der größten Stadt des Landes komplettieren. Vor Jahren habe ich schon einmal hier gelebt und gearbeitet und ich freue mich jedes Mal, wenn ich zurück bin. Touristisch gesehen ist Sydney ein absolutes Highlight in Australien und kaum eine „Ersttäter“ plant seinen Aufenthalt in „Down Under“ ohne mindestens einige Tage hier zu verbringen. Eine Stadt wie diese wird nie langweilig, immer gibt es etwas zu entdecken, ein neues Café, eine versteckte Bar oder einfach ein lauschiges Plätzchen entlang der vielen Strände. In diesem Sinne ... ich bin schon auf dem Sprung ins Pub.

Freitag, 11. Mai 2007

Von den grauen Bergen ...


... kann so mancher Tourist ein Lied singen, wenn für die Schwestern nur ein kurzer Aufenthalt am frühen Morgen eingeplant ist. Das Foto ist keine Montage, sondern nur einen Tag nach dem Bild des vorherigen Eintrags geschossen. Eine ziemlich trübe Suppe und das bis in den späten Vormittag. Für mich persönlich ein ruhiger Tag und deshalb nehme ich mir hier die Zeit, die Legende der „Three Sisters“ aufzuschreiben. Ich bin sicher, dass Sie auch die Originalversion verkraften, ohne bleibenden Schaden zu nehmen:

Die drei Schwestern Meehmi, Wimlah und Gunnedoo lebten als Mitglieder des Volkes der Katoomba im Tal. Die Mädchen verliebten sich in drei Brüder aus dem Pepean Stamm, aber die Gesetze verboten ihnen zu heiraten. Die Männer wollten daraufhin die Schwestern mit Gewalt erobern. Ein Kampf stand unmittelbar bevor und um die Mädchen zu schützen verwandelte sie ein Zauberer der Katoomba in Stein. Für die Dauer der Auseinandersetzungen sollte es den Angreifern unmöglich sein, die drei zu entführen. Unglücklicherweise fand aber der Zauberer selbst im Kampf den Tod und so konnten die Schwestern nie in ihre menschliche Gestalt zurück versetzt werden.

Auch nach tausenden von Jahren noch eine schöne Geschichte, um die Existenz von drei gut 900m hohen Felssäulen zu erklären.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Von den blauen Bergen...


... komme ich nicht und auch sonst haben diese blauen Berge mit denen aus dem bekannten Lied nichts zu tun. Mein Weg zurück an die Küste, genau gesagt nach Sydney, führt mich aber über die Blue Mountains. So benannt, weil das verdunstende Eukalyptusöl der heimischen Gum-Trees einen blauen Dunstschleier über die Wälder und das Buschland legt. Die gesamte Region ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner aus dem nahen Sydney, außerdem sind die Berge für viele Touristen ein fester Bestandteil ihrer Reise. Die wohl bekannteste Attraktion sind die „Three Sisters“ (Bild) in Katoomba. Der Aboriginal Sage nach handelt es sich bei der Felsformation um drei Schwestern, die während einer Stammesfehde zu ihrem eigenen Schutz von einem Magier in Fels verwandelt wurden. Allerdings wurde der Magier bei den Kämpfen getötet und die drei Mädchen konnten deshalb nicht zurück verwandelt werden. So die Kurzversion. Und weil der allgemeine Irrsinn auch vor Australien nicht halt gemacht hat, gibt es mittlerweile auch „entschärfte“ Versionen. Auf meine Frage, warum es denn verschiedene Geschichte gebe, erklärt mir die Dame von der Touristeninformation, das Original sei einigen Leuten zu sexistisch und zu gewalttätig gewesen.

Sonntag, 6. Mai 2007

Cotton Fields


Im Zentrum von New South Wales wird Landwirtschaft im großen Stil betrieben. Auf dem Bild der Übeltäter Nummer Eins, der seit etlichen Jahren zunehmend Attacken aus allen Richtungen ausgesetzt ist: die Baumwolle. In einem Land, das notorisch unter Wasserknappheit leidet ist das Gewächs so fehl am Platz wie man es sich nur vorstellen kann. Es gibt überhaupt nur wenig Pflanzen, die mehr Wasser benötigen als die Sträucher mit den weißen Bauschen. Etwa 1600 Liter sind nötig um Baumwolle im Gegenwert von 1$ (0,60Euro) zu produzieren. Ein vielfaches des Verbrauchs anderer Nutzpflanzen und das sei nicht mehr tragbar, so die Kritiker. Dass hier stark bewässert wird, merke ich auf der Suche nach dem idealen Schnappschuss: während am Straßenrand noch alles staubtrocken ist, versinke ich einige Schritte später bis über die Knöchel im Schlamm eines Wassergrabens. Nun gut, vielleicht hätte ich auch nicht über den Zaun klettern sollen, aber das Erinnerungsfoto soll ja schließlich was her machen. Und man kann sagen was man will, ein schöner Anblick sind die Felder auf jeden Fall.

Samstag, 5. Mai 2007

Roadtrain, Roadhouse, Roadkill


In Australien ist kürzlich wieder ein Buch mit dem Namen „Roadkill“ erschienen, Inhalt: überfahrene Tiere am Straßenrand. Das mag auf den ersten Blick etwas makaber sein, wenn man aber selbst durch das Outback fährt, dann MUSS einem zwangsläufig diese Idee kommen. Zum einen gibt es wirklich eine unglaubliche Menge und Vielfalt an Kadavern am Straßenrand, zum anderen ist die Fahrt sehr monoton: alle 200km ein Roadhouse und von Zeit zu Zeit ein Road-Train, eines jener PS-Ungetüme, die mit bis zu 4 Lastwagenanhängern und gut 100km über die Straßen preschen. Jedenfalls können da die Gedanken schon mal in derartige Sphären abschweifen - was dann unter Umständen zu einem weiteren Opfer führt, weil man nicht mehr richtig aufpasst. Tatsächlich habe ich nicht nur die obligatorischen Känguruüberreste gesehen, sondern auch die von Wombats, Schafen, Ziegen, Schlangen, Eidechsen, Schnabeligeln und sogar von Kühen. Und das alles mehrfach und in den verschiedensten Stadien der Verwesung. Meist sind es die Fahrer der Road-Trains, die sich, bei dem unglaublichen Bremsweg ihrer Gespanne, erst gar nicht die Mühe machen in die Eisen zu steigen. Aber auch so mancher Tourist durfte diese Erfahrung schon machen. Dann auch mit erheblichen Kosten verbunden, denn während die Lastwagen immer über einen massiven Rammschutz aus Stahl verfügen, sind normale PKWs dem Aufprall einer Kuh nicht wirklich gewachsen (einer meiner Freunde hat genau so sein Miet-WoMo in den Autohimmel befördert). Mein Favorit für das Foto zu diesem Eintrag ist allerdings eine etwas andere Art von Roadkill: ein (aus)geschlachteter Holden.

Dienstag, 1. Mai 2007

Outback Hollywood


Als letzte Station vor meiner Weiterreise gen Osten fahre ich nach Silverton, etwa 25km von Broken Hill entfernt. Hier ist der Himmel nicht nur blau, sondern wahrscheinlich der blauste überhaupt, denn der verlassene Ort im Nirgendwo ist ein beliebter Drehplatz für Filmcrews. Die alten, aus Sandstein gemauerten Gebäude waren in über 140 Filmen zu sehen, vom Actionknaller Mad Max II bis zum Drag-Queen Streifen Priscilla – Queen of the Desert. Auch einige der extrem lustigen XXXX-Bierwerbespots sind hier entstanden. Womit, mehr oder weniger elegant, auf eines meiner Lieblingsthemen übergeleitet wäre. Denn Silverton mag vielleicht Kulisse sein, aber es wäre nicht Australien, wenn es nicht ein ordentliches und voll „funktionstüchtiges“ Pub geben würde. Also parke ich meinen Kombi neben der schwarzen Schleuder von Mad Max (aus dem Flim) und nehme mir die Zeit für etwas Small Talk. Auf das kühle Blonde verzichte ich zugunsten der Fahrtüchtigkeit, denn der Arm des Gesetzes reicht auch ins entfernteste Outback.

Montag, 30. April 2007

Freiluftkunst


Für diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben, oute ich mich hier noch einmal als großer Outback-Fan. Nirgends ist die Luft klarer, der Himmel blauer, nirgends leuchten die Sterne heller. Und was für mich noch ein weiterer Pluspunkt ist: es gibt Platz. Jede Menge Platz. Und so kann man großartige Kunst schaffen, die man dann wunderbar in die Landschaft stellen kann. Wie die Skulpturen im Living Desert Reserve (siehe Bild). Für 10$ erhalte ich in der Touristeninformation einen Schlüssel um die Tore auf der Zufahrtsstrasse aufzuschließen. Am Ziel heißt es dann: anhalten, aussteigen, aufschließen, Tor öffnen, einsteigen, durch fahren, anhalten, aussteigen, Tor zu, zusperren, einsteigen, weiter fahren. Bis zum nächsten Tor. In der Information war nur von „the gate“, also von einem Tor die Rede, aber ich darf das Ritual etliche Male wiederholen. Wohl dem, der einen Beifahrer hat. Habe ich nicht und so verbringe ich einige Zeit mit ein- und aussteigen. Aber es ist ja nicht so, als ob ich in Eile wäre.

Samstag, 28. April 2007

Ein Deutscher im Glück ...


Die „Line of Lode“, die gewaltige Erzader, wurde 1883 von dem Deutschen Charles Rasp entdeckt. Die größte ihrer Art weltweit, 7.5km lang und 250m breit. Über 100 Milliarden Dollar haben die Minen in Broken Hill erwirtschaftet – und mehr als 800 Menschenleben haben sie gefordert. Charles Rasp jedenfalls starb 1907 als reicher Mann. Heute kann man zwei der alten Minen unter Tage besichtigen und etliche verlassene Gebäude zieren das Stadtbild. Für mich steht allerdings ein anderer Programmpunkt an erster Stelle. Mit meinem Bekannten Mike gehe ich in den Musicians Club um dort eine Partie „Two Up“ zu spielen. Das Glücksspiel mit den zwei Münzen wurde von den ANZAC Soldaten im ersten Weltkrieg gespielt und war lange illegal in Australien. Ist es zu weiten Teilen auch heute noch, aber der Musicians Club hat eine der begehrten Genehmigungen. Und während ich fleißig verliere, scheint Mike das Spiel erfunden zu haben und gewinnt eine Runde nach der anderen. Aber das sprichwörtliche Glück schlägt dann doch noch zu und wir können beide einen Gewinn mit nach Hause nehmen.

Dienstag, 24. April 2007

Rote Erde


Wo genau das Outback beginnt ist nicht wirklich definiert. Für einige Australier lautet die Devise gar: Sydney or the Bush, alles außerhalb der Stadtgrenzen ist Einöde. Fest steht aber, dass man auf dem Weg nach Broken Hill mit Sicherheit irgendwann im Outback ankommt: die entgegenkommenden Autos werden immer weniger, die überfahrenen Tiere am Straßenrand immer mehr, Kurven auf der Straße sind praktisch nicht mehr existent. Und das ist noch die abwechslungsreichere Route, von Mildura kommend. Aber die Schönheit dieser roten, öden und durchaus auch lebensfeindlichen Landschaft ist nicht zu leugnen. Zugegeben, aus einem klimatisierten Auto heraus und mit eisgekühltem Bier in der Kühlbox lässt es sich leicht staunen, aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ich im 21. Jahrhundert lebe. Umso bewundernswerter gerade diejenigen, die sich hier zu einer Zeit eine Heimat geschaffen haben, als es keine Autos, keinen Strom und kein Telefon gab.

Samstag, 21. April 2007

Houseboat Holiday


Meine Reise entlang des Murray geht langsam dem Ende entgegen. Die beiden letzten Stationen sind Mildura und Wentworth, dann soll mein Weg ins rote Outback von New South Wales führen. Aber zunächst genieße ich meine restliche Zeit am Fluss. Der Wasserstand scheint normal zu sein und die Hausboote hier können es bezüglich Wohnfläche mit einem 4-Zimmer Apartment aufnehmen, bis zu 12 Personen finden darauf Platz. In Wentworth treffen die beiden größten Flüsse Australiens, der Darling River (der längste Fluss) und der Murray (der mächtigste Strom), aufeinander. Eine alte Postkarte zeigt aus der Vogelperspektive die unterschiedliche Färbung der beiden Flüsse: der Darling ist aufgrund von Kalkablagerungen sehr hell, der Murray hingegen sehr dunkel gefärbt. Die Stelle an der sie aufeinander treffen ist fast wie mit dem Lineal gezogen und der Darling verliert sich im „Mighty Murray“. Zu sehen ist das momentan allerdings nicht, aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bleibt das Wehr unterhalb der Mündung geschlossen und die dunklen Fluten des Murray stauen sich 80km den Darling hinauf. Dafür bleibt noch Zeit eine andere Attraktion zu besuchen. Nur 4km außerhalb des Ortes befinden sich hohe Wanderdünen, die nicht nur ein beliebter Spielplatz für Kinder sind, sondern auch regelmäßig Jahrtausende alte Relikte freigeben.